Buchinger-Heilfasten im Selbstversuch: Wie geht’s? Was bringt’s? (Teil 1)

Ich habe mich entschlossen, eine Fastenwoche einzulegen. Nicht aus religiösen Gründen oder weil gerade Fastenzeit ist. Bis vor kurzem hatte ich über das Heilfasten sogar eine schlechte Meinung: Derart zu hungern kann ja nicht gesund sein! Durch mein Studium zur Ernährungsberaterin bin ich zwangsläufig tiefer in das Thema eingetaucht und dabei neugierig geworden. Vor allem das Heilfasten nach Dr. Buchinger hat mich gereizt – eine große Herausforderung für mich, die ich jetzt angenommen habe. Heute werde ich euch einen ersten Einblick ins Thema geben. Wie es für mich letztendlich ausgegangen ist, kann ich euch erst in ein paar Tagen berichten – denn ich bin noch mittendrin im Fasten.

Wie funktioniert Buchinger-Heilfasten?

Eine Woche Fasten wird doch nicht soo schwer sein! Dachte ich. Schon jetzt weiß ich es besser.

Erst einmal: Das Buchinger-Heilfasten dauert nicht nur eine Woche. Zum siebentägigen Hardcore-Fasten (200 ml Saft, 300 ml Gemüsebrühe pro Tag) kommen noch zwei Entlastungstage vorab (an denen habe ich persönlich nur Obst gegessen), ein Tag zur Darmreinigung (an dem man auch nichts isst, man würde es eh nicht drin behalten), ein Tag des Fastenbrechens und drei Aufbautage (an denen man nur 800 kcal täglich zu sich nimmt). Das läppert sich insgesamt also zu zwei Wochen, in denen der Körper extrem auf Sparflamme läuft und man dauernd nur ans Essen denkt – das ist zumindest in meinem Fall so.

Die Sache mit dem Hunger

Es heißt, dass man – sobald der Darm durch die Reinigung mit ekelhaft schmeckendem Bittersalz komplett entleert ist – keinen Hunger mehr hat. Das kann ich so nicht bestätigen. Zwar grummelt der Magen kaum, doch ein dumpfes, leeres Gefühl (eben auch bekannt als Hunger!) stellt sich des Öfteren ein – auch wenn man noch so viel Tee und Wasser (mindestens zwei Liter am Tag) trinkt. Das stört aber nicht weiter. Viel schwerer machen es einem Psyche und Appetit.

Man sieht überall nur Essen, Essen, Essen

Mir ist aufgefallen, dass Fasten ein ähnliches Empfinden wie der Rauchstopp auslösen kann: Die ganze Welt, vor allem aber der eigene kleine Kosmos, dreht sich nur noch ums Essen. Mir wird erst durchs Fasten deutlich, wie viele Imbissbuden und Bäckereien es gibt – ein Fresstempel neben dem anderen, ein gierig machender Geruch jagt den nächsten. Wenn ich essende Menschen sehe, frage ich mich dieser Tage dauernd: Genießt er diese Mahlzeit auch richtig? Oder weiß er gar nicht, wie gut er es hat, weil er das gerade essen darf? Nicht nur das Essen mit Partner oder Familie ist eine Tortur. Auch ein Spaziergang durchs Viertel wird zur Belastungsprobe, vor allem jetzt, wo die Leute in den kleinen Restaurant-Biergärten sitzen und in der Sonne Schnitzel und Weißbier verdrücken. Selbst eine simple Breze wäre für mich schon ein Hochgenuss. Aber es heißt: durchhalten.

Fasten, um abzunehmen

Viele – vermutlich die meisten – fasten, um Fett zu verlieren. Und damit liegen sie auch genau richtig. Meine Klamotten sitzen inzwischen schon merklich lockerer. Doch man darf das Heilfasten nicht mit einer Diät gleichsetzen. Der größte Unterschied liegt darin, dass eine Null-Diät dich nicht auf das Leben danach vorbereitet: Das Bewusstsein für gesunde Ernährung wird nicht geschärft. Sobald man die Diät beendet, isst man meist wie vorher. Und es folgt – jeder weiß das mittlerweile – der Jojo-Effekt. Zumal während der Diät, aber natürlich auch während des Fastens, Muskeln (unsere „Energieverbrennungsöfen“) abgebaut werden und sich durch das reduzierte Körpergewicht der Energiebedarf (genauer: der Grundumsatz) verringert.

Beim Fasten wird dem Jojo-Effekt durch die schrittweise Umstellung auf die notwendige Kalorienzufuhr vorgebeugt. Außerdem sollte man nach dem Fasten seine Ernährung optimieren und auf das wiedergewonnene Sättigungsgefühl hören. Trotzdem habe ich Schiss, nachher mehr zu wiegen als vorher …

Sport auf nüchternem Magen

Ja, auch während des Totalverzichts auf feste Nahrung steht Sport auf dem Plan. Es sollten keine extrem belastenden Sportarten sein. Du kannst dich etwa danach richten: Bewegung, die dich anstrengt, aber nicht überanstrengt, ist genau richtig. Für den einen ist das schon längeres Spazierengehen, für den anderen die Zumba-Stunde. Ich gehe jeden zweiten Tag joggen und mache moderates Muskeltraining. Letzterem liegt die Angst zugrunde, dass ich durch das Fasten Muskeln abbaue – was ja wiederum später den Jojo-Effekt begünstigt.

Egal, um welchen Sport es sich handelt: Er ist viel anstrengender als gewohnt. Die Speicher mit schnell verfügbarer Energie (Glucose) sind schon etwa nach den ersten 24 Stunden Nichtessen leer. Danach verbrennt der Körper Eiweiß und circa ab dem dritten Tag Fett. Beim Joggen merke ich richtig, wie zäh sich daraus Energie mobilisieren lässt – bis jetzt habe ich jede meiner regulären Runden vorzeitig abgebrochen. Auch Alltägliches wie Treppensteigen, Tüten schleppen oder Putzen fällt schwerer. Das hat einen ganz angenehmen Nebeneffekt auf mich: Ich nehme mir viel mehr Zeit und erledige alles in absoluter Ruhe. Mein Körper kann nicht anders, aber Seele und Geist, die sich sonst der Alltagshetze unterordnen müssen, tut das richtig gut.

Und so geht’s bei mir weiter

Ich habe mich schon vorab entschlossen, statt sieben nur fünf Tage lang zu fasten. Ich habe mir nur eine Woche freigenommen (Fasten während des Arbeitsstress kommt für mich nicht in Frage) und finde, dass auch ein abgekürztes Programm viel bringt. Ich habe noch einen Fastentag vor mir und dann kommen Fastenbrechen und Aufbautage. Wie sich das gestaltet und ob der brenzlige Jojo-Effekt mich doch einholt, berichte ich euch nächste Woche! Außerdem werde ich auf die berüchtigte Fastenflaute und die Fasteneuphorie eingehen.