Digestio.de macht Pause

Liebe Leser,

wie manche von euch vielleicht bemerkt haben, erscheinen von mir nur noch selten neue Beiträge. Das liegt daran, dass ich in meinem Hauptjob als Medizin-Redakteurin beim Gesundheitsportal Lifeline.de sowie mit kleinen Aufträgen als freie Journalistin nicht nur zeitlich eingebunden bin: Meine beruflichen Tätigkeiten nehmen mich auch thematisch ein, da ich mich den ganzen Tag lang auf meinen Lieblingsgebieten Ernährung und Gesundheit austoben darf. Ich genieße ein erfüllendes Berufsleben – doch digestio.de bleibt dabei leider auf der Strecke.

In der Konsequenz möchte ich euch nun ankündigen, dass ich meinen Blog bis auf Weiteres pausieren werde und erst wieder aufnehme, wenn ich das mit Hingabe, Herzblut und voller Power machen kann. Derweil freue ich mich zu berichten, dass ich mit einem neuen Blog weiteren Leidenschaften fröne: Der Mindstyle-Blog Journey 34 beschreibt meinen Weg hin zu einem bewussteren Leben und widmet sich meinen Herzensthemen Minimalismus, Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Downshifting und Downsizing.

Wir sehen uns dort! Bleibt gesund und freut euch des Lebens! 🙂

Eure Silke

Ernährungsreport 2016: Überraschende Aussagen

Laut Ernährungsreport 2016 essen Männer häufiger Fleisch als Frauen. Nicht weiter verwunderlich. Andere Aussagen aus dem Bericht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) haben mich dagegen überrascht.

Schale mit Obst

Sowohl die meisten Männer als auch die meisten Frauen achten laut Ernährungsreport 2016 auf ausgewogene Ernährung.
© Silke Stadler

Vor wenigen Tagen hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) den Ernährungsreport 2016 veröffentlicht. Er basiert auf einer repräsentativen Befragung von 1.000 Bundesbürgern ab 14 Jahren, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Oktober 2015 durchgeführt hat.

Ich habe mir den Ernährungsreport mal reingezogen – und muss ein Lob an die Macher aussprechen. Er ist sehr ansprechend aufbereitet und dementsprechend super auch für „Normalos“ zu lesen.

Was leider nicht erwähnt wird, ist, dass Ergebnisse aus Umfragen zum Thema Ernährung nicht zu verwechseln sind mit Tatsachen. Oft beschönigen die Befragten ihre Antworten ein wenig. Doch das ist ein anderes Thema.

Viele Aussagen aus dem Ernährungsreport, zum Beispiel dass etwa doppelt so viele männliche wie weibliche Befragte täglich Fleisch essen, sind für mich nicht überraschend. Andere dagegen schon.

Gemüse vor Fleisch

Unter den Lieblingsessen der Deutschen finden sich Gemüsegerichte (18%) und Salat (15%) vor Fleischgerichten (11%). Am liebsten werden – weniger überraschend – Pasta und Spätzle gegessen (35%), was einen Fleischkonsum allerdings nicht ausschließt. Das passt auch damit zusammen, dass offenbar nur 18% der Frauen und 11% der Männer WENIGER als mehrmals die Woche Fleisch essen. (Lesetipp: Wurst ist krebserregend – Muss ich auf Fleisch und Co. verzichten?)

Ein Drittel isst nicht jeden Tag Obst oder Gemüse

66% der Männer essen laut Ernährungsreport jeden Tag Obst und Gemüse. Für mich ein irritierender Fakt – denn ich finde das sehr wenig. Es bedeutet immerhin, dass 34% der Männer (und übrigens 15% der Frauen) an manchen Tagen nicht einmal eine einzige Portion Gemüse – und sei es als Beilage – essen. Ich frage mich, wie das überhaupt geht. (Lesetipp: Mehr Obst essen – Das perfekte Obst fürs Müsli)

Auch die meisten Männer ernähren sich ausgewogen

Im Report heißt es: „Frauen achten stärker auf eine ausgewogene Ernährung. Ihnen gelingt das im Alltag auch häufiger als Männer.“ Betonen sollte man, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in diesem Punkt nicht sind: Es betrifft 76% der Frauen und 62% der Männer.

Hinzu kommt natürlich, dass aus der Studie nicht hervorgeht, wie die Teilnehmer ausgewogene Ernährung definieren …

Jüngere naschen weniger

Die Lust auf Süßes ist bei Erwachsenen zwischen 33 und 40 Jahren größer als bei Jüngeren (30% zu 12%, die täglich naschen). (Lesetipp: Trotz Naschen gesund leben, indem man auf den eigenen Körper hört)

Regional wichtiger als Preis

Die meisten der Erwachsenen über 30 achten laut Ernährungsreport bei der Auswahl der Lebensmittel mehr darauf, ob Produkte regional sind sowie auf die Produktinformationen als auf den Preis. Ich weiß nicht so recht, ob ich diese Selbstauskunft der Befragten glauben kann.

Lebensmittelverschwendung

43% werfen regelmäßig Lebensmittel weg, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist – nicht etwa, weil das Lebensmittel auch verdorben wäre. Schade, denn Nahrungsmittel sind meist weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum (nicht zu verwechseln mit dem Verbrauchsdatum „zu verbrauchen bis“, das man unbedingt einhalten sollte) haltbar.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man selbst Joghurt oft auch noch nach mehreren Wochen bis Monaten essen kann, wenn er nicht geöffnet wurde 😉

Kilokalorien vs. Kilojoule

100 Gramm Vollkornspaghetti enthalten 342 Kilokalorien – und 1.449 Kilojoule. Warum braucht man eigentlich zwei Maßeinheiten, um dasselbe auszudrücken: den Brennwert von Lebensmitteln? Das Joule ist die heute gültige Einheit und daher unverzichtbar. Doch von der Kalorie will sich anscheinend trotzdem niemand trennen.

Auf allen verpackten Lebensmitteln befindet sich die Angabe des Brennwerts sowohl in Kilojoule als auch in Kilokalorien. © Silke Stadler

Auf allen verpackten Lebensmitteln befindet sich die Angabe des Brennwerts sowohl in Kilojoule als auch in Kilokalorien. © Silke Stadler

1971 wurde das Joule als Teil des internationalen Einheitensystems (SI) endgültig zugelassen und sollte daher die Kalorie eigentlich ablösen. Innerhalb bestimmter Fristen mussten die EU-Mitgliedsstaaten die Kalorie abschaffen. Diese Fristen wurden wieder und wieder verlängert, bis man 2010 nicht die Kalorie, sondern die Fristen aufgab. Nicht nur dürfen die zwei Einheiten nebeneinander verwendet werden, zur Nährwertkennzeichnung sind heute sogar beide Kennzeichnungen vorgeschrieben.

Trotzdem schielt jeder, der sich für den Brennwert von Lebensmitteln interessiert, wohl nur auf die Kalorienzahl. Wer kann schon etwas mit Joule anfangen, wenn es nicht um Physik, sondern um die ernährungsphysiologische Verwertung von Energie geht?

Sogar Fachbücher über Ernährung beziehen sich häufig auf Kalorien. Manche haben sich jedoch auch  der „modernen“ Maßeinheit Joule verschrieben. Das ist verständlich, ja sogar angebracht. Doch jedem Kalorienanhänger (und damit auch mir) geht es gegen den Strich. Man muss permanent umrechnen – und das mit besonders unsympathischen Werten: Ein Joule sind etwa 0,24 (exakt: 0,239) Kalorien, eine Kalorie sind etwa 4,2 (exakt: 4,184) Joule*.

In meinem Kopf existiert aber weiterhin nur eine Maßeinheit: Die Kalorie.

Ihre offizielle Definition: Mit einer Energie von 1 Kalorie lässt sich ein 1 Gramm Wasser um 1 Grad Celsius erwärmen.* Kalorie wird oft synonym mit Kilokalorie verwendet, was de facto jedoch falsch ist. Wenn wir sagen, dass ein Schokoriegel 280 Kalorien enthält, meinen wir damit Kilokalorien, also 280.000 Kalorien.

Wahrscheinlich hätten wir heute nicht das Problem, hin und her rechnen zu müssen – wenn man sich damals einfach hätte überwinden können, die Kalorie abzuschaffen. Die altmodische, aber umso hartnäckigere Einheit wird sich wohl weitere Jahrzehnte zumindest in Sachen Beliebtheit gegenüber dem Joule durchsetzen – und unsere Verpackungen werden statt einer Angabe über den Energiegehalt eben zwei zieren.

* Hier existieren aufgrund unterschiedlicher Definitionen leicht unterschiedliche Werte.
*1 Joule ist definiert als die Arbeit, die verrichtet wird, wenn ein Körper der Gewichtskraft von 1 Newton genau einen Meter gehoben wird.