Frau im gelben Pullover fasst sich an die Brust: Sie leidet unter Sodbrennen.

Sodbrennen: Wie du Symptome erkennst und Ursachen bekämpfst

Bei Schmerzen, Luftnot und Engegefühlen im Brustbereich denken wir zuerst an Herzerkrankungen. Doch ist der Übeltäter für diese Beschwerden viel häufiger dein Magen. Vielleicht produziert er zu viel Magensäure oder sie gelangt in deine Speiseröhre. In der Regel ist das sogenannte Sodbrennen harmlos und kann gut behandelt werden. Chronisches Sodbrennen kann aber auch ernstere Ursachen und Folgen haben.

In diesem Artikel erfährst du,

  • Was Sodbrennen eigentlich ist
  • Welche Symptome und Ursachen Sodbrennen haben kann,
  • Was du bei Sodbrennen selbst tun kannst,
  • Wie du Sodbrennen vorbeugen kannst,
  • Ob Sodbrennen gefährlich ist,
  • Wann du mit Sodbrennen zu einem Arzt gehen solltest.

Was ist Sodbrennen?

Früher galt gelegentliches saures Aufstoßen nach dem Essen als vollkommen üblich, später wurde es dann als Wohlstandserkrankung bagatellisiert. Heute ist Sodbrennen als wichtiges medizinisches Leitsymptom zahlreicher Magen-Darm-Erkrankungen anerkannt.

Ein Arzt wird dir diese Diagnose stellen, wenn du unter einem brennenden und schmerzhaften Empfinden hinter dem Brustbein leidest, das bis in deinen Hals- und Rachenbereich hineinreichen kann.

Der englische Begriff des „Heartburn“ (dt.:„Herzbrennen“) für Sodbrennen weist übrigens auf die herzinfarktähnlichen Symptome hin. Anders als beim Herzinfarkt handelt es sich bei Sodbrennen aber um keine lebensbedrohliche Erkrankung.

Vielmehr zeigen sich in der Regel milde Beschwerden, die du oft sogar ganz einfach vermeiden kannst, indem du auf bestimmte Lebens- oder Genussmittel verzichtest. Häufig verschwinden diese sogar von allein wieder, sobald du den Stress reduzierst, der dir möglicherweise „auf den Magen schlägt“.

Gerade nach einer sehr fettigen Mahlzeit oder wenn wir uns mit vollem Magen bücken, kann es zu einem Rücklauf von Speisebrei aus dem Magen in die Speiseröhre kommen. Ein derartiges „saures Aufstoßen“ ist mitunter zwar etwas unangenehm, aber ein- bis zweimal pro Woche vollkommen normal.

Ärzte sprechen sogar von einem physiologischen Reflux, da auch im gesunden Fall immer etwas Magensäure in die untere Speiseröhre gelangen kann. Sie wird dann in der Regel ganz ohne Beschwerden durch Bewegungen der Speiseröhre und Schleimabsonderungen wieder in den Magen befördert.

Wenn deine Beschwerden jedoch stärker und häufiger werden und du sie nicht mehr nur einzelnen Mahlzeiten oder stressbedingten Situationen zuordnen kannst, dann kann auch eine Refluxerkrankung dahinterstecken. Chronische Beschwerden mit Sodbrennen, Bauchschmerzen, häufigem saurem Aufstoßen von Magensäure bis in den Mundraum und starken Schmerzen sind typische Anzeichen dafür.

Hast du besonders häufig morgens oder nach längerem Liegen eine raue, belegte Stimme und ein leichtes Kratzen im Hals, ohne dass Du erkältet bist, kann auch dies ein Hinweis auf eine Refluxerkrankung sein.

Kommt deine Speiseröhre immer wieder mit der aggressiven Magensäure in Kontakt, kann sie sich entzünden und krankhafte Veränderungen der Schleimhaut bewirken. Außerdem kann der saure Magensaft auf Dauer auch deinen Zahnschmelz angreifen.

Ein Arzt kann eine sichere Diagnose stellen, zumal auch andere Ursachen für diese Beschwerden verantwortlich sein können. Allergische oder infektiöse Entzündungen der Speiseröhre, sowie anatomische Veränderungen des Magens gehören ebenfalls dazu. Ausgeschlossen werden sollten auch Beweglichkeitsstörungen der Speiseröhre und koronare Herzerkrankungen.

Weil Sodbrennen in den vergangenen Jahrzehnten in der Bevölkerung deutlich zugenommen hat und mittlerweile fast jeder siebte Deutsche betroffen ist, sprechen Ärzte sogar schon von einer „Volkskrankheit“.

Übrigens: Nicht nur zu viel Magensäure, sondern auch zu wenig Magensäure kann zu Beschwerden führen. Symptome können dann beispielsweise Durchfälle sein.

Welche Ursachen hat Sodbrennen?

Normalerweise verhindert ein ringförmiger Schließmuskel, der Ösophagussphinkter, am Übergang von der Speiseröhre in den Magen, dass zu viel Magensäure in die Speiseröhre gelangt.

Alles, was dazu führen kann, dass dein Magen zu viel Magensäure produziert, kann eine mögliche Ursache von Sodbrennen sein. Oder die Säure gelangt an den falschen Ort, nämlich in die Speiseröhre. Die Ursachen können sein:

  • Stress ist sehr häufig die Ursache von Magen-Darm-Erkrankungen, darunter häufig auch Durchfall. Bei Stress schüttet dein Körper Hormone aus, die ihn in eine Alarmbereitschaft versetzen sollen. Er aktiviert deine Muskeln, erhöht den Herzschlag und stellt zusätzliche Energie bereit. Um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, verlangsamt er zudem deine Verdauung. Die glatte Muskulatur (diese Muskulatur ist nicht bewusst steuerbar) des Darmes erschlafft und der Speisebrei verbleibt länger in deinem Magen, denn auch der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen arbeitet weniger. Gleichzeitig können Stresshormone dazu führen, dass im Magen mehr Säure ausgeschüttet wird.
  • Wenn die Muskulatur des Verdauungstraktes zu wenig arbeitet und er sich zu wenig bewegt, wird der Speisebrei nur sehr langsam weitertransportiert. So kann es auch zu einem Rückstau in die Speiseröhre kommen. Mediziner sprechen dann von einer Motilitätsstörung.
  • Auch ein Reizmagen, eine Magenschleimhautentzündung sowie Magengeschwüre können für eine zu hohe Produktion von aggressiver Magensäure verantwortlich sein.
  • Dein Zwerchfell hilft dir nicht nur beim Atmen, sondern ist auch die natürliche Barriere zwischen Brust- und Bauchraum. Die Speiseröhre tritt durch das Zwerchfell hindurch, bevor sie in den Magen übergeht. Schlüpft dein Magen sackartig durch die Öffnung hindurch, die sich so vergrößern kann, kommt es zu einem Zwerchfelldurchbruch. Übergewicht oder ein gelockertes Bindegewebe im Bereich des Zwerchfells können Ursachen einer solchen sogenannten Hiatushernie sein.
  • Der seltene und in seiner Form und Lage veränderte Kaskadenmagen kann ebenfalls die Ursache für zu viel Magensäure sein.
  • Gerade Schwangere werden häufig von Sodbrennen geplagt, denn die wachsende Gebärmutter drückt immer stärker auf den Magen und presst so den sauren Speisebrei zurück in die Speiseröhre. Die Schwangerschaftshormone bereiten den Körper auf die bevorstehende Geburt vor, indem sie die Muskulatur und das Bindegewebe weicher machen. In der Folge wird allerdings auch der Ösophagussphinkter dehnbarer und so gelangt eher Magensaft in die Speiseröhre.
  • Stark gewürzte, scharfe und sehr fetthaltige Speisen können deinen Magen ebenfalls anregen, mehr Magensäure zu produzieren.
  • Alkohol, Koffein und Nikotin stimulieren nicht nur die Bildung von Magensäure, sondern hemmen auch ihre Neutralisation, da sie deinen Speichel so verändern, dass er die Säure nicht mehr abpuffern kann. Und die relaxierende, also muskelentspannende, Wirkung der Genussmittel lässt auch noch den Schließmuskel schlapp machen.
  • Wenn du Medikamente nimmst, können auch diese für deine Beschwerden verantwortlich sein: Bestimmte Schmerzmittel wie Diclophenac, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Herz-, Asthma- und Blutdruckmedikamente sowie orale Kontrazeptiva (Antibabypille) können entsprechende Nebenwirkungen haben.

Welche Symptome zeigen sich bei Sodbrennen?

Sodbrennen erkennst du an einem Brennen und Schmerzen im Brustbereich, insbesondere im Liegen, oft begleitet von saurem Aufstoßen des Mageninhalts.

Da der häufige Kontakt mit der Magensäure Speiseröhre und Mundschleimhaut reizen kann, verspürst du mitunter auch ein Brennen im Mund- und Rachenraum.

Auch häufige morgendliche Heiserkeit, Halsschmerzen oder schmerzhafter Husten können auf einen übermäßigen Reflux hinweisen.

Häufige Atemwegsinfekte und sogar Asthma können ebenfalls mit einem Reflux im Zusammenhang stehen, da es zu einem Rücklauf von Magensäure in die Atemwege kommen kann.

Rauchen ist in vielerlei Hinsicht bei Sodbrennen schlecht: Nicht nur erschlafft es den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen, es reizt auch noch die empfindliche Speiseröhre. Auch der Speichel wird reduziert und weniger basisch und kann so deutlich weniger bei der Neutralisation der Magensäure helfen.

Sodbrennen behandeln: Was hilft?

Sodbrennen kann auch ernsthafte Folgen wie Entzündungen und Schleimhautveränderungen der Speiseröhre sowie Erkrankungen der Atemwege nach sich ziehen.

Daher solltest du häufiger auftretendes Sodbrennen nicht einfach unbehandelt lassen, sondern deinem Sodbrennen schrittweise zu Leibe rücken:

  • Im ersten Schritt kannst du herauszufinden, in welchen Situationen Sodbrennen auftritt und versuchen, entsprechende Anpassungen vorzunehmen. Dabei kann dir ein Ernährungstagebuch (bzw. Ernährungs-Sodbrennen-Tagebuch) helfen, Zusammenhänge zu erkennen.
  • Oftmals hilft es schon, nicht hektisch und im Stehen zwischendurch zu essen, sondern dir etwas mehr Zeit beim Essen zu nehmen. Iss langsam und kaue gründlich, damit dein Magen weniger Arbeit beim Zerkleinern der Nahrung hat und sie durch den Speichel auch besser durch die vielleicht schon gereizte Speiseröhre gleiten kann.
  • Wenn du morgens mit den typischen Beschwerden aufwachst, hilft es vielleicht nachts Kopf und Oberkörper etwas höher zu lagern, indem du auf einem Keilkissen schläfst. Manche Lattenroste lassen sich auch entsprechend einstellen. So kann der saure Magensaft nicht so leicht in die Speiseröhre zurückgelangen. Auch späte Mahlzeiten sollten vermieden werden.
  • Generell solltest du natürlich versuchen, Stress zu reduzieren, um die zahlreichen negativen Effekte von Stress auf den Magen-Darm-Trakt zu vermindern. Auch Bewegung und Sport in Maßen haben meist einen stressreduzierenden Einfluss und helfen oft bei Magen-Darm-Beschwerden. Zudem helfen sie, Übergewicht zu reduzieren und so den Druck auf deinen Magen zu senken.
  • Vermeide wenn möglich Nikotin, Koffein und Alkohol oder versuche zumindest, den Konsum deutlich einzuschränken.
  • Zwar gibt es keine allgemein anerkannte und strenge Diät bei Sodbrennen, eine gesunde Ernährungsweise kann dir allerdings dabei helfen, deine Beschwerden in den Griff zu bekommen. Verzichte auf stark gewürzte, scharfe, fettreiche und frittierte Speisen, wenn Du vermutest, dass sie Dir nicht bekommen. Auch schwer verdauliche Lebensmittel wie Zwiebeln, Hülsenfrüchte, Steinobst oder Pilze sowie sehr saure Lebensmittel wie zum Beispiel Zitrusfrüchte können Sodbrennen fördern.
  • Bei Sodbrennen Milch zur Neutralisation zu trinken, ist übrigens entgegen der häufigen Meinungen wenig sinnvoll und oft sogar kontraproduktiv: Zum einen hat Milch selbst einen niedrigen pH-Wert, ist also auch sauer und enthält zum anderen viel Fett, was dem Magen die Verdauung umso schwieriger macht. Bei einer Laktoseunverträglichkeit könnten zudem weitere Beschwerden zum Sodbrennen hinzukommen.
  • Auch Natron als Hausmittel gegen Sodbrennen ist nicht zu empfehlen: Zwar kann Natron die Säure etwas neutralisieren, es entsteht dadurch jedoch vermehrt Kohlensäure im Magen, von der du wieder aufstoßen musst.

Wenn all diese Maßnahmen bei dir nicht helfen und sich deine Beschwerden dadurch nicht verbessern, können im nächsten Schritt auch Medikamente helfen:

  • säurebindende Medikamente, sogenannte Antazida (zum Beispiel Alginate wie Algedrat), sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und helfen, den sauren Magensaft zu neutralisieren. Daher verschaffen sie gerade im Akutfall effiziente Abhilfe.
  • Oft werden Wirkstoffe mit einer unterschiedlichen Wirkweise kombiniert (z.B. Aluminiumoxid und Magnesiumhydroxit), um eine schnelle und nachhaltige Wirkung zu erzielen.
  • Sogenannte Protonenpumpenhemmer (PPIs wie z.B. Omeprazol oder Pantoprazol) machen den Magensaft durch eine reduzierte Säureproduktion weniger aggressiv. Zwar kannst du auch sie rezeptfrei in der Apotheke kaufen, bei der Auswahl, Dosierung und der Einnahme sprichst du aber idealerweise mit einem Arzt oder Apotheker.
  • Rezeptfreie Histamin-Rezeptor-Antagonisten (wie z.B. Ranitidin oder Cimetidin) erhältst du in der Apotheke, auch hier sei aber ein vorheriges Gespräch mit einem Arzt oder Apotheke angeraten.

Der Spaziergang danach ist übrigens nach einer sehr üppigen und fetthaltigen Mahlzeit hilfreicher als das Mittagsschläfchen. Statt dich hinzulegen und somit wieder das Zurücklaufen von Magensaft in die Speiseröhre zu fördern, hilfst du deinem Magen durch die Bewegung bei der Verdauung.

Aufgrund der möglichen ernsten Ursachen und Folgeerscheinungen solltest du generell bei anhaltenden Beschwerden deinen Hausarzt aufsuchen, der dich im Zweifelsfall zu einem Spezialisten - einem Gastroenterologen - für zusätzliche Untersuchungen überweisen kann. Hier können dann weitere Untersuchungen deiner Speiseröhre und deines Magens erfolgen, insbesondere wenn Alarmsymptome wie Blutungen und Gewichtsverlust hinzukommen.

Zusammenfassung und Fazit

Sodbrennen bezeichnet verschiedene Symptome wie saures Aufstoßen, ein brennendes Gefühl im Brustbereich und Schmerzen vom Hals- und Rachen-Bereich bis hinunter in den Magen. Läuft die aggressive Magensäure zurück in die Speiseröhre, kann sie dort die empfindliche Schleimhaut reizen und schädigen.

Zwar sind die Beschwerden meist vorübergehend, unbehandelte und zunehmende Beschwerden können jedoch auch ernste Ursachen und Folgen haben. Daher sollte Sodbrennen ernst genommen und behandelt werden.

Ernährungsumstellungen und eine Einschränkung von Genussmitteln wie Nikotin, Koffein und Alkohol können helfen, die Beschwerden zu lindern. Auch säureneutralisierende Arzneimittel können die Symptome lindern. Gerade bei chronischen Beschwerden sollte ein Arzt hinzugezogen werden, um andere Ursachen auszuschließen und genauere Untersuchungen durchzuführen.

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