Meine persönliche Ernährungsrevolution: Essen, worauf ich Lust habe

„Ich esse, worauf ich Lust habe – und nehme nicht zu!“ Wenn mir das jemand bisher erzählte, war ich nicht nur neidisch, sondern auch skeptisch: Wer kann sich das schon leisten – sowohl gesundheitlich als auch figurtechnisch? Heute denke ich ganz anders: Zu essen, worauf man Lust hat, ist vielleicht die einzige Ernährungsregel, die man wirklich braucht.

Auch Schokolade ist erlaubt: Essen nach dem Hunger-und-Lust-Prinzip. © Silke Stadler

Auch Schokolade ist erlaubt: Essen nach dem Hunger-und-Lust-Prinzip.
© Silke Stadler

Ich habe mir seit meinem letzten Blogeintrag viel Zeit gelassen. Man könnte meinen, mir wären keine neuen Ernährungsthemen untergekommen. Aber ganz im Gegenteil.

Vor zwei oder drei Monaten bin ich auf ein Konzept gestoßen, das mich seitdem nicht mehr losgelassen hat: Essen, worauf man Lust hat. Klingt einfach, ist aber in Zeiten hunderter verschiedener Ernährungstipps gar nicht selbstverständlich.

Ich war auf Anhieb überzeugt. Doch ich wollte diesen – für mich persönlich revolutionären – Ansatz erst einmal „verdauen“ und ausprobieren, bevor ich meine Meinung darüber kundtue.

Der Körper ist der beste Ernährungsratgeber

Zwei Bücher sind hier für mich essentiell. Zuerst habe ich „Health at Every Size“ der US-Wissenschaftlerin Linda Bacon entdeckt und war begeistert. Darin geht es vor allem darum, dass Abnehmen die Gesundheit nicht zwangsläufig fördert. Bacon zeigt anhand von Studien, dass vielmehr Diäten selbst den Körper schädigen. Dicksein werde zu Unrecht verteufelt und stigmatisiert, denn Dicksein sei weder per se ungesund, noch seien Dicke selber schuld daran, wie viel sie wiegen. Das sogenannte Set Point Gewicht bestimme maßgeblich, wie viel wir wiegen. Der Körper versuche mit allen Mitteln, dieses Gewicht zu halten. Deswegen sei ein signifikanter Gewichtsverlust auf Dauer in den allermeisten Fällen nicht zu halten.

Dieses Thema ist an sich schon enorm spannend und ich werde sicher demnächst näher darauf eingehen. Heute geht es mir aber um einen weiteren Aspekt, den Bacon im Zuge ihres Plädoyers für die Akzeptanz dieses individuellen Idealgewichts anspricht: Dass man bei der Ernährung keinen Verzicht üben sollte. Wir sollten essen, wenn wir Hunger haben, zu denjenigen Lebensmitteln greifen, auf die wir Appetit haben und aufhören zu essen, wenn wir satt sind. Wie gesagt: Klingt einfach, wird heutzutage aber oft nicht gelebt.

In die gleiche Richtung wie Bacon geht der deutsche Ernährungswissenschaftler Uwe Knop, mit dem ich vor kurzem auch ein Interview darüber geführt habe, in seinem E-Book „Esst doch was ihr wollt“. Er rät: „Essen Sie nur, wenn Sie Hunger haben, worauf Sie Lust haben, was Ihnen schmeckt und gut bekommt.“

Herzstück dieses Ansatzes ist das Vertrauen auf die Intelligenz des Körpers, der selbst der beste Ernährungsratgeber ist: Er weiß, welche Nährstoffe er braucht und signalisiert das mit Hunger sowie der Lust auf bestimmte Lebensmittel.

Nimmt man da nicht zu?

Wenn ich Leuten von dieser heute ungewohnten Herangehensweise – und für mich bahnbrechenden Erkenntnis – erzähle, kommt oft ein ironisches „Super! Dann esse ich jetzt nur noch Schnitzel mit Pommes und Schokoriegel.“ Das glaube ich eher nicht.

Der Körper wird ja gerade versuchen, eine einseitige Ernährung zu vermeiden. Ich kann nicht für andere sprechen, aber bei mir macht sich auch mit meiner neuen Ernährungseinstellung oft Lust auf knackigen Salat, Gemüse oder frisches Obst bemerkbar. Aber ich gönne mir eben öfter als früher eine fette Leberkas-Semmel und Schokolade ohne schlechtes Gewissen.

Nimmt man dadurch nicht rapide zu? Das kommt meiner Meinung nach darauf an. Wenn man sich vorher zugunsten der Figur stark gegeißelt hat, was Essen angeht, vielleicht. Denn dann hat man konstant gegen das von Linda Bacon postulierte Set Point Gewicht, gearbeitet. Dieses Gewicht wird der Körper nun mittels Hunger und Appetit zurückerlangen wollen.

Andererseits bin ich überzeugt, dass man den Kampf gegen dieses vom Körper als ideal empfundene Gewicht ohnehin nicht ewig aufrechterhalten kann, weswegen es viele zwar schaffen, abzunehmen, ihr Gewicht aber nicht auf Dauer halten können.

Die Gefahr, mehr zuzunehmen als für unseren Körper gut ist, besteht dann, wenn man nicht den Körper, sondern die Psyche füttert: Mann isst und nascht aus emotionalen Gründen statt aus Hunger.

Ich ernähre mich jetzt seit zwei bis drei Monaten nach dem Prinzip „Hunger und Lust“ (Uwe Knop) und habe nur positive Erfahrungen gemacht. Ich habe sogar ein bisschen abgenommen und damit mein ideales Wohlfühlgewicht erlangt (was ich zum großen Teil auch den Workouts von Jillian Michaels verdanke, die ich seit einem halben Jahr mehrmals die Woche mache).

Ich kann jetzt also auch sagen: Ich esse, worauf ich Lust habe – und nehme nicht zu.

3 Responses

  1. Hallo,
    kann dem angesprochenen nur Zustimmen.

    In eine ausgewogene Ernährung kann auch ab und zu mal ein Schnitzel dabei sein.

    Es gibt da einen Satz, den ich in dem zusammenhang gerne mal benutze :
    Einen Salat zu essen macht dich genau so wenig schlank, wie ein Schnitzel mit Pommes dich dick macht.

    Die Menge macht es eben.
    Eine Diät ist vielmehr dazu da, sich bewusster zu ernähren und nicht wahllos zu essen was grade da ist.

    Schöner Beitrag !
    mfg

  2. Ich finde es gut,wie Sie sich mit dem Thema Ernährung auseinander setzen.Vor allem aber dieser Artikel ist toll.Ich hab mich im Rahmen meiner Essstörungstherapie auch mit der Set Point Theorie und dem dazu passenden Experiment auseinandergesetzt.Zur Zeit kämpfe ich allerdings gegen meine Anorexie an und bin noch nicht an einem normalen Essverhalten angekommen aber ich liebe solche positiven Blogs.Danke

    • Hallo Anna,
      vielen Dank für die Nachricht. Ich freue mich, wenn Dir (ich duze jetzt einfach mal) der Blog und dieser Artikel gefallen.
      Von Deiner Essstörung zu hören, macht mich betroffen. Ich habe mich schon öfter mit dem Thema auseinandergesetzt und es ist einfach eine so leidvolle Krankheit, die Außenstehende dann doch oft nicht greifen können. Ich wünsche Dir alles Gute und dass Du Deinen Weg weitermachst. Du schaffst das!
      Liebe Grüße,
      Silke

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