Neue Studie: Bio ist eben doch gesünder

Immer wieder wird die Qualität von Bio-Produkten in Frage gestellt. Den Otto-Normal-Verbraucher freut’s, weil er mit seinen konventionell erzeugten Lebensmitteln vermeintlich genauso gut einkauft – nur günstiger. Auch aufgrund von Studien gab es in der Vergangenheit kritische Berichte über den gesundheitlichen Nutzen von Bio-Lebensmitteln. Dem bereitet eine neue Untersuchung jetzt ein Ende.

Bio-Obst und -Gemüse enthalten deutlich mehr gesundheitsfördernde Antioxidantien.  © Silke Stadler

Bio-Obst und -Gemüse enthalten deutlich mehr gesundheitsfördernde Antioxidantien.
© Silke Stadler

„Bio ist nicht gesünder“, titelten verschiedene Medien im September 2012. Eine Übersichtsstudie der Stanford University hatte ergeben, dass sich biologisch erzeugte Lebensmittel kaum von den konventionell produzierten unterscheiden, wenn es um die Nährstoffzusammensetzung geht. Beide enthielten gleich viele Vitamine, Mineralstoffe, Proteine, etc. Auch eine Studie der UK Food Standards Agency (FSA) aus dem Jahr 2009 bescheinigte Bio-Lebensmitteln keine signifikanten Unterschiede zu konventionell erzeugten Produkten.

Weniger Pestizide und antibiotikaresistente Bakterien

Die Forscher aus Stanford hatten jedoch auch gezeigt, dass bei Bio-Produkten das Risiko für Pestizid-Rückstände und antibiotikaresistente Bakterien niedriger ist. Das allein macht in meinen Augen schon viel für eine gesunde Ernährung aus – auch wenn die Höchstgrenzen für Pestizid-Rückstände so angelegt sind, dass selbst einzelne Überschreitungen unserer Gesundheit wohl nicht gefährlich werden. Unklar ist allerdings das Risiko durch Mehrfachbelastung, die beim Verzehr durch die Vermischung verschiedener Pflanzenschutzmittel entsteht.

Doch offenbar sind Bio-Lebensmittel nicht nur weniger pestzidbelastet, sondern eben doch gesünder. Das hat eine Untersuchung aus dem Juli 2014 gezeigt. Forscher der englischen Newcastle University haben 343 Studien über die Unterschiede von Bio- und konventionellen pflanzlichen Lebensmitteln analysiert.

60 Prozent mehr Antioxidantien

Das internationale Forscher-Team stellte fest: Bio-Gemüse, -Obst und -Getreide sowie Produkte, die aus diesen hergestellt werden, beinhalten fast zwei Drittel mehr Antioxidantien. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die DNA-schädigende freie Radikale (aggressive Sauerstoffteilchen) im Körper unschädlich machen. Damit können sie laut der Deutschen Krebsgesellschaft der Entstehung von Tumoren vorbeugen. Der Mehrgehalt an Antioxidantien in Bio-Lebensmitteln komme sogar der Wirkung von ein bis zwei zusätzlichen Portionen Obst oder Gemüse täglich gleich, heißt es in der aktuellen Studie.

Zudem befänden sich deutlich weniger giftige Schwermetalle in ökologisch angebautem Obst und Gemüse. Laut Professor Carlo Leifert, der die Analyse leitete, stellt das „eine wichtige Ergänzung dar zu den Informationen, über die Verbraucher derzeit verfügen und die bis jetzt verwirrend und in vielen Fällen widersprüchlich waren.“

Bio nicht nur der Gesundheit wegen

Während in der Übersichtsstudie der Stanford University 2012 extra darauf hingewiesen wurde, dass die verwendeten Daten sehr heterogen und damit schlecht vergleichbar seien, soll die neue Meta-Studie der Newcastle University die umfangreichste Analyse des Nährstoffvergleiches von biologisch und konventionell erzeugten Produkten sein, die jemals durchgeführt wurde. Das sei auf eine grundlegend neue, systematische Analysemöglichkeit von Literatur zum Thema zurückzuführen.

Für viele Bio-Käufer dürften die neuen Erkenntnisse nur ein weiterer Grund sein, guten Gewissens ökologisch erzeugte Produkte zu kaufen. Denn bei Bio steht auch der Nutzen für die Umwelt und das Wohl der Nutztiere im Vordergrund. Und dafür greift man doch gerne mal ein bisschen tiefer in die Tasche, oder?