Buchinger-Heilfasten im Selbstversuch: Vom Essen besessen (Teil 2)

Meine ganz persönliche Fastenzeit ist vorbei. Seit knapp einer Woche esse ich wieder. Und kann leider kaum damit aufhören… Zwei Dinge habe ich durch meinen bisher längsten Verzicht auf feste Nahrung gelernt. Erstens: Diese Grenzerfahrung werde ich wiederholen. Zweitens: Selbst mit 30 und einem BMI im Normalbereich kann man sich noch eine Obsession mit dem eigenen Gewicht einfangen.

Mehr Energie durchs Fasten?

Wenn man sich mit dem Thema Fasten beschäftigt, begegnen einem ziemlich bald zwei Begriffe: Fastenflaute und Fasteneuphorie. Besonders ausgeprägt war bei mir ersteres. Zwischen dem 2. und 4. Fastentag scheint es bei vielen Fastenden zum Down zu kommen. Das ist ein kritischer Zeitpunkt und die Versuchung ist groß, alles hinzuschmeißen. Bei mir war das exakt am dritten Tag der Fall. Ich fühlte mich sehr schwach, deprimiert und habe mit dem ganzen Projekt gehadert. Auf einmal hatte ich riesige Zweifel, ob mir das Fasten aufgrund von Muskelabbau und mangelnder Vitalstoffzufuhr nicht mehr schadet als nützt. Mein Ratschlag, ganz klar: Augen zu und durch. Ich habe mein Sportprogramm mehr schlecht als recht durchgezogen und den Rest des Tages auf dem Sofa gegammelt und mich bemitleidet. Auch das hilft eben manchmal.

Die Fasteneuphorie, die sich in den folgenden Tagen eigentlich hätte bemerkbar machen sollen, war nicht ganz so deutlich ausgeprägt. Ich war zwar richtig gut gelaunt und erfrischt. Aber selbst kurze Wege konnte ich nur im Schlendergang erledigen – mein Körper hatte schlicht zu wenig Energie übrig, um sie in Unnötiges wie einen flotten Gang zu investieren.

Auch die längste Fastenwoche geht vorbei

Nach mehreren Tagen ohne feste Nahrung muss der Körper langsam ans Essen gewöhnt werden. Traditionellerweise begeht man das Fastenbrechen vormittags mit einem Apfel. Das ist auch sinnvoll: Er ist besonders gut bekömmlich und bereitet dem brach gelegenen Verdauungstrakt keine Probleme. Man sollte den Apfel in kleine Schnitze schnippeln und sich eine halbe Stunde Zeit nehmen, um ihn zu riechen, zu schmecken und zu genießen.

Abends gibt es eine kleine Schale Kartoffel-Gemüse-Suppe. Auch das Essen während der nächsten Tage besteht hauptsächlich aus Gemüse, Äpfeln, Quark und Joghurt, sowie Hirse oder Vollkornreis. Man nimmt in den drei Aufbautagen etwa 800 kcal zu sich und sollte diese dann langsam auf zunächst 1.600 kcal steigern. Das hat bei mir nicht so richtig geklappt.

3,5 Kilo ab- und 2 Kilo zugenommen

Dr. Andreas Buchinger, dessen Großvater das Buchinger-Heilfasten entwickelte, warnt*, man solle sich während des Fastens nicht täglich auf die Waage stellen. Nichts störe die Atmosphäre der Einkehr, die in dieser Zeit herrscht oder herrschen sollte, so sehr. Ich habe mich gewissenhaft an diesen wie an all seine Tipps gehalten. Es war fantastisch, nach 7 Tagen Nichtessens den ersten Schritt auf die Waage zu tun: dreieinhalb Kilo weniger. So wenig habe ich seit der Pubertät nicht mehr gewogen.

Leider schmeckt das Essen nach einer siebentägigen Hungerphase extrem gut. Es mag zwar sein, dass das Sättigungsgefühl früher einsetzt. Gleichzeitig will sich mein Körper aber für die nächste Hungerperiode wappnen. Es ist jetzt verdammt viel Willenskraft nötig, nicht in die Fressfalle zu tappen. Mein Problem ist: Ich habe scheinbar sämtliche Willenskraft während des Nichtsessendürfens verbraucht.

Vielleicht hätte ich Buchingers Rat auch in den folgenden Tagen beherzigen sollen. Aber nein, ich habe mein Gewicht seither täglich mit Argusaugen verfolgt. Dafür, dass ich in erster Linie nicht gefastet habe, um abzunehmen, bin ich erschreckend obsessiv.

Bilanz: In den sechs Tagen nach meinem Fastenexperiment habe ich knapp 2 von 3,5 Kilo wieder zugenommen. Ein Teil davon ist auf normale Wiederaufbauprozesse (Verdauung, Muskeln, Glukose-Speicher) zurückzuführen. Ein weiterer ziemlich wahrscheinlich darauf, dass mein Körper fleißig seine langfristigen Depots (Fettpolster!) aufbaut. Jeden Tag nehme ich mir vor, mich nicht nur gesund, sondern auch mengenmäßig bewusster zu ernähren. Vielleicht klappt es irgendwann.

*“Buchinger-Heilfasten: Mein 7-Tage-Programm für zu Hause“ von Andreas Buchinger, erschienen im Trias-Verlag