Insekten essen: Entomophagie im Selbsttest

Insekten als Lebensmittel: Was manchen einen Schauer über den Rücken jagt, ist für andere eine rationale Alternative für Fleisch und Fisch. Angeblich sind die Nährstoffe in Grille und Co. ähnlich hochwertig, dafür aber umweltschonender zu produzieren. Doch wie schmecken Insekten? Ein Test.

Insekten essen: Protein- und Energieriegel aus Grillenmehl.

Protein- und Energieriegel aus Grillenmehl.

In vielen Völkern stehen Insekten seit jeher auf dem Speiseplan. Die FAO schätzt, dass sich etwa zwei Milliarden Menschen weltweit regelmäßig von insgesamt 1.900 verschiedenen Arten ernähren. Unser Ekel vor Maden, Raupen, Spinnen als Lebensmittel ist also rein kulturell begründet. Wir essen zwar Schwein, Rind, Huhn und (manchen Insekten optisch nicht unähnliche) Shrimps, Krabben und Krebse – nicht aber Hund, Katze, Insekten.

Diese gesellschaftlich geprägte Abneigung gegen bestimmte Tierarten hat unterschiedliche Gründe. Hund, Katze und mitunter Pferd kennen wir vor allem als Haustiere, die uns derart nahestehen, dass wir es fast als Kannibalismus empfinden, sie zu verzehren. Insekten dagegen sind in der Natur zwar meist sehr nützlich, in enger Verbindung zum Menschen – zum Beispiel im Haus, auf der Picknickdecke und ganz sicher auf meinem Teller! – sehe zumindest ich sie doch eher als Ungeziefer, das entweder absolut widerlich (Maden) oder aber lästig ist (Wespen, Spinnen, Käfer) und von mir dann schnell wieder in die Natur befördert wird.

Es versteht sich von selbst, dass es mich so auch nie besonders gereizt hat, in eines dieser Restaurants mit Insekten auf der Karte zu gehen, die eine Zeitlang so hip waren. Und erinnert ihr euch noch an die Lutscher mit Maden, Käfern, Grillen und anderem Krabbelzeug drin? Das muss so Mitte bis Ende der 90er gewesen sein. Ich habe ich mir zwar einen gekauft und mich bis zum Insekt durchgearbeitet, mich aber dann doch nicht getraut, es auch zu essen.

Insekten essen für mehr Nachhaltigkeit

Insekten zu essen (auch als Entomophagie bezeichnet) ist aber nicht immer nur ein netter Gag. Die Tiere werden auch als wertvolle Eiweißquelle vermarktet. Die FAO (Food and Agriculture Organization, Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisationen der Vereinten Nationen) bestätigt das in ihrem Bericht. Die Nährstoffe unterscheiden sich je nach Insektenart und deren Haltung. Mehlwürmer zum Beispiel können mit Fisch mithalten, was gesunde Omega-3-Fettsäuren angeht. Auch die biologische Wertigkeit ihres Proteins ist vergleichbar mit dem aus anderen tierischen Quellen. (Pflanzliches Eiweiß dagegen kann vom Körper nicht so gut verwertet werden, weshalb es vor allem für Veganer wichtig ist, verschiedene proteinreiche Lebensmittel zu kombinieren.)

Doch können Insekten tatsächlich eine Alternative zu Fleisch und Co. darstellen? Immerhin sind sie extrem klein – man bräuchte doch Unmengen von Tieren, um davon satt werden zu können. Hersteller, aber auch die FAO, betonen, dass es sich trotzdem lohnt.

Laut Sens Foods, die gerade ihr Crowdfunding-Projekt gestartet haben und deren Protein- und Energieriegel aus Grillenmehl ich probieren durfte, brauchen Grillen zwölfmal weniger Futter als Rinder und halb so viel wie Schweine und Hühner, um etwa die gleiche Menge Protein zu liefern. Für die Aufzucht von Grillen werden weniger Ressourcen wie Wasser, Fläche und Futter verbraucht. Insekten, so wird auch im FAO-Bericht betont, verwerten Lebensmittelreste, die bei uns sonst in den Müll wandern, etwa Bananenschalen.

Insekten essen: Der Geschmackstest

Klingt nach guten Gründen, den Speiseplan um Insekten zu erweitern – dafür müssen sie allerdings auch schmecken. Das auszuprobieren machen einem die Sens Bars immerhin leicht: Statt ganzer Insekten verspeist man einen Riegel, dem man seine Inhaltsstoffe nicht ansieht. Er ist aus getrockneten und gemahlenen Grillen und weiteren, natürlichen Zutaten hergestellt. Ich habe drei Riegel probiert.

Den “Dark Chocolate & Sesame” (Dunkle Schokolade und Sesam) kann ich nicht empfehlen. Er war zu herzhaft, wenig süß und damit nicht das, was ich erwartet hätte. Auch den “Pineapple & Coconut” (Ananas und Kokosnuss) fand ich nicht besonders lecker. Der nussige, etwas herbe Geschmack, den ich mittlerweile dem Grillenmehl zuschreibe, harmoniert hier einfach nicht so gut mit den restlichen Komponenten.

Der “Peanut Butter & Cinnamon” (Erdnussbutter und Zimt) schmeckt dagegen richtig lecker – eben nach Erdnüssen und Zimt mit dieser besonderen und mir bisher unbekannten Note durch das Insektenmehl. Grillen sind also durchaus genießbar – es kommt in meinen Augen aber doch stark auf die Kombination der restlichen Zutaten an.

Proteinriegel aus Insekten: Zutaten, Kalorien und andere Nährwerte

Der Riegel „Peanut Butter & Cinnamon“ enthält:

Zutaten:

Geröstete Erdnüsse, Grillenmehl, Hanfpulver, Agavennektar, Kakaobutter, Rote Bete, Zimt.

Nährwerte:

  • Energie: 517 kcal
  • Fett: 31 g
    davon gesättigte Fettsäuren: 10 g
  • Kohlenhydrate: 25 g
    davon Zucker: 11 g
    davon Ballaststoffe: 8 g
  • Proteine: 31 g

(Das Rezept ist laut Sens Food noch nicht endgültig, daher kann sich die Zusammensetzung in Zukunft noch ändern.)

Fazit: Insekten essen oder nicht?

Ich finde den Ansatz, wertvolle neue Nährstoffquellen aufzutun, die wenig Ressourcen verbrauchen, wunderbar. Nachdem ich mich mit dem Thema näher beschäftigt habe, bin ich überzeugt, dass es sich bei Insekten um eine nachhaltigere Proteinquelle handelt als bei Fleisch. Aus kulturellen Gründen wurde das Thema im Westen leider bisher vernachlässigt, doch Unternehmen wie Sens Food sind dabei, das zu ändern. Produkte aus Insektenmehl statt ganzer Insekten zu verspeisen hat mich außerdem keinerlei Überwindung gekostet. Auch mit dem Geschmack, den das Start-up als neutral bezeichnet und ich als nussig-herzhaft empfunden habe, lässt sich meines Erachtens gut arbeiten.

Da ich aber kein Konsument von Proteinriegeln bin, würde ich das Produkt, das ich getestet habe, nicht selbst kaufen. Ich sehe es eher als Süßigkeit an (es besteht immerhin aus elf Prozent Zucker). Insekten mögen gesund sein, nicht aber, wenn man sie sich nur in Verbindung mit ungesunden Zutaten „zumutet“. In seiner jetzigen Form fungieren die Sens Bars in meinen Augen daher auch nicht als Fleischersatz. Sie taugen eher dazu, Verbraucher an Lebensmittel aus Insekten heranzuführen.

Interessanter fände ich den nächsten Schritt: Selbst mit Mehl aus Grillen und Co. kochen und herumprobieren. Auch hier finden sich bereits Anbieter im Internet. Dazu muss man sich an das Lebensmittel Insekt allerdings in seiner unverblümten Form herantrauen … Wenn es soweit ist, werde ich berichten!

Ist Salat wirklich so gesund? Der Nährstoff-Vergleich

Wir essen Salat, weil er gesund ist. Aber stimmt das überhaupt? Salat besteht meist zu über 95 Prozent aus Wasser, soll dafür aber mit Unmengen an Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen punkten. Doch nicht jede Sorte schneidet in dieser Hinsicht besonders gut ab.

Vor ein paar Jahren geisterte ein Zitat von Udo Pollmer, des Enfant terrible unter den Ernährungsexperten, durch die Medien: Salat habe die „Ernährungsphysiologie eines Papiertaschentuchs mit einem Glas stillen Wasser“. Sein Vergleich ist übertrieben, aber völlig Unrecht hat der wohl bekannteste Lebensmittelchemiker Deutschlands nicht. Der Nährstoffgehalt in Salat wird häufig überschätzt. Ich habe mir die gängigsten Sorten einmal genauer angeschaut. Was steckt wirklich drin?

Kopfsalat

Kopfsalat besteht zu 95 Prozent aus Wasser und hat mit 11 Kilokalorien den geringsten Energiegehalt unter den verglichenen Sorten. Dafür fällt er auch nicht allzu sehr ins Gewicht, wenn es um Nährstoffe geht: Der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen ist unauffällig. Allein mit Vitamin K kann Kopfsalat punkten: 100 g decken den Tagesbedarf eines Erwachsenen locker.

Eisbergsalat

Eisbergsalat hat mit 13 Kilokalorien pro 100 g ebenfalls einen extrem niedrigen Energiegehalt. Bei den Vitaminen sticht die Sorte mit einem hohen Anteil an ß-Carotin hervor, einem Provitamin, das im Körper zu Vitamin A umgewandelt wird. Auch der Fluoridgehalt liegt mit 100 µg pro 100 g höher als bei manch anderen Salatsorten. Allerdings müsste man schon sehr viel Eisbergsalat essen, um auf die empfohlenen 3,8 mg (Männer) bzw. 3,1 mg (Frauen) Fluroid täglich zu kommen.

Feldsalat

Feldsalat hängt andere Sorten ab, was bestimmte Nährstoffe betrifft: Er enthält verhältnismäßig viel Eiweiß, Folsäure, Vitamin C und Fluorid. Auch verfügt er über mehr gesunde Ballaststoffe als Kopf- und Eisbergsalat – mit 1,8 g pro 100 g werden die empfohlenen 30 g pro Tag jedoch lange nicht erreicht. Feldsalat ist auch Spitzenreiter was den Gehalt an ß-Carotin angeht. Außerdem verfügt er über nennenswerte Mengen des Mengenelements Kalium: 100 g Feldsalat decken ein Fünftel des Tagesbedarfs von 2 g.

Radiccio

Der rot-violette Radiccio hat einen hohen Anteil an Sekundären Pflanzenstoffen, die entzündungshemmend wirken und vor Krebs schützen sollen. Die Sekundären Pflanzenstoffe im Radiccio gehören zur Gruppe der Flavonoide, die verantwortlich sind für die rote, blaue, hellgelbe und violette Farbe von Obst und Gemüse. Allerdings besitzt er mit 800 µg pro 100 g vergleichsweise wenig ß-Carotin. Auch der Anteil anderer Nährstoffe ist eher unauffällig. Mit 28 mg pro 100 g hat er immerhin mehr Vitamin C als Chicorée, der gemeinhin völlig überschätzt wird.

Chicoree

Chicorée wird hochgelobt, was seinen Nährstoffgehalt angeht. Es heißt, er sei besonders reich an den Vitaminen B1, B2 und C sowie an ß-Carotin. Bei genauerer Betrachtung stellt sich das jedoch als Mythos heraus. Es stimmt zwar, dass er mit mehr als 3.400 µg pro 100 g viel ß-Carotin besitzt. Doch bei den B-Vitaminen punktet er nur beim Biotin (auch Vitamin B7 genannt) und bei der Pantothensäure (Vitamin B5). Außerdem enthält er vergleichsweise viele Kohlenhydrate, die mit 2,4 g pro 100 g dennoch kaum nennenswert sind.

Endivie

Endiviensalat sticht mit seinem Gehalt an Pantothensäure, Folsäure und Vitamin E positiv hervor. Bei den Mineralstoffen glänzt er mit relativ viel Eisen und Zink und enthält viel Natrium und Phosphor, die wir aber ohnehin ausreichend bis übermäßig aufnehmen. Die Endivie enthält außerdem am meisten Ballaststoffe unter den verglichenen Salatsorten.

Rucola

Rucola ist ein Salat der Superlative: Er weist von den hier aufgeführten Sorten den höchsten Anteil an Mineralstoffen auf und punktet dabei vor allem mit einem hohen Gehalt an den Mangelmineralien Calcium, Magnesium, Eisen, Zink und Kalium. Mit 91,5 Prozent hat Rucola den niedrigsten Wassergehalt und liefert mit 27 Kilokalorien pro 100 g am meisten Energie. Gleichzeitig besitzt er den höchsten Anteil an Eiweiß sowie an den Vitaminen E, B2, B3 und Vitamin K.

Fazit

Salat hat durchaus mehr zu bieten als ein Papiertaschentuch mit einem Glas Wasser. Doch im Vergleich zu anderen Gemüsesorten fällt der Nährstoffgehalt teilweise tatsächlich gering aus. Um als Salatliebhaber trotzdem genügend Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe aufzunehmen, ein simpler Ratschlag:  Man schnippelt zusätzlich verschiedenes Gemüse in den Salat.

Quelle für Nährstoffangaben: DEBInet