Veggie-Schnitzel und Co: Fleischersatzprodukte aus Supermarkt und Discounter?

Fleischersatzprodukte wie vegetarische Schnitzel oder Nuggets gibt es nicht nur im Bioladen, sondern auch im Supermarkt und sogar im Discounter. Ein Verbraucherportal hat deren Auswahl und Preise unter die Lupe genommen. Das Ergebnis hat mich überrascht.

Vegane Fleischersatzprodukte

Sowohl Supermärkte als auch Discounter haben mittlerweile diverse vegane Fleischersatzprodukte im Angebot – die einen mehr, die anderen weniger.
© Verbraucherwelt.de

Das Leben von Vegetariern und Veganern wird zum Glück immer einfacher. Die vegetarische Ernährung ist im Mainstream angekommen. Fleischersatzprodukte richten sich aber auch an Menschen, die ihren Fleischkonsum einschränken möchten. Auch davon gibt es immer mehr.
Während man früher für Bio- und Veggie-Lebensmittel spezielle Bioläden aufsuchen musste, gibt es sie heute an jeder Ecke – nicht zwangsläufig in der gleichen Qualität und Vielfalt. Aber man wird durchaus fündig, wenn man nach Produkten Ausschau hält, die vor nicht allzu langer Zeit als recht exotisch galten: Vegane Schnitzel, Nuggets oder Frikadellen besetzen heute in vielen Supermärkten einen Teil des (Kühl-)Regals.

Trotzdem ist die Vielfalt vielerorts noch ausbaufähig. Wo und welche Preise im Supermarkt und Discounter für Fleischersatzprodukte (Tofu wurde nicht berücksichtigt) verlangt werden, hat sich das Internetportal Verbraucherwelt.de angeschaut und in einer Tabelle zusammengefasst:

Tabelle der Fleischersatzprodukte in Discounter und Supermarkt

Tabelle der Fleischersatzprodukte in Discounter und Supermarkt. © Verbraucherwelt.de

Das Ergebnis überrascht: Der Discounter Netto hat mitunter die größte Auswahl an speziellen veganen und vegetarischen Produkten und liegt damit bei den Billig-Supermärkten vorn: Es gibt sowohl Veggie-Schnitzel, -Bratwurst und -Frikadelle, als auch vegane Pattys und Nuggets.

Damit ziehen nur die großen Supermarktketten gleich, die allerdings deutlich teurer sind. Mit Abstand am meisten gibt man für einen solchen Warenkorb bei Edeka aus. Am kleinsten ist das Angebot an Fleischersatzprodukten beim Discounter Penny.

Hier noch ein paar Tipps, die ich im Bezug auf Fleischersatzprodukte wichtig finde:

  • Fleischersatzprodukte stecken oft voller Fett und Salz, sind also nicht zwangsläufig die gesündere Ernährungsform! Wer den Fleischkonsum einschränken möchte, kann das auch tun, ohne sie eins zu eins mit solchen Produkten zu ersetzen. Einfach mehr pflanzliche Lebensmittel essen!
  • Wenn ihr durch Fleischersatzprodukte der Umwelt etwas Gutes tun wollt, solltet ihr darauf achten, dass Veggie-Produkte bio sind. Soja, die häufige Basis für diese Lebensmittel, ist aus konventionellem Anbau ist Umweltschützern ein Dorn im Auge.

Wer die volle Auswahl an Ersatzprodukten für Vegetarier, Veganer und alle anderen, denen sie einfach schmecken, haben will, sollte meiner Meinung nach weiter zum Bioladen gehen. Da gibt es alle erdenklichen Produkte – wenn auch etwas teurer, aber in Bio-Qualität.

Guten Appetit!

Skyr: Wunder-Quark aus Island?

Ich bin derzeit auf Island, genauer gesagt in der Hauptstadt Reykjavik. Was einem hier – neben Schafskopf, den ich zugegebenermaßen noch nicht probiert habe – dringend ans Herz gelegt wird, ist Skyr. Mehrfach wurde mir dieses traditionelle Milchprodukt als Wundermittel für ein langes Leben und als Geheimnis für die Gesundheit der Isländer beschrieben. Was ist da dran?

Skyr wird gerne mit Früchten gegessen. © Silke Stadler

Skyr wird gerne mit Früchten gegessen. © Silke Stadler

Skyr ist eine Art Quark und wird aus entrahmter Milch (heute meist von der Kuh, früher auch vom Schaf) hergestellt. Das Besondere: Er hat einen verschwindend geringen Fettgehalt (0,2 Prozent) und gleicht generell in seiner Nährstoffzusammensetzung unserem Magerquark. Gleichzeitig ist er aber sehr dick und cremig – vergleichbar mit der Konsistenz eines eher fettreichen Quarks oder Joghurts.
Skyr gibt es hier in allen möglichen Varianten, zum Beispiel mit Blaubeer- oder Vanillegeschmack – oder einfach pur. Er schmeckt deutlich kräftiger, als wir es von unserem Quark oder Joghurt gewohnt sind.

Der Legende nach soll der Skyr vor etwa 1.100 Jahren von den Wikingern auf die Insel mitgebracht worden sein. Seither entpuppte er sich zum bedeutenden Nahrungsmittel. Früher stellte jeder Hof seinen eigenen Skyr her. Heute wird er überwiegend in Selfoss, einer Stadt nahe Reykjavik, produziert.

Ist Skyr gesünder als Quark und Joghurt?

Die Isländer promoten ihren Skyr als einen wahren Wunder-Quark: Er soll dafür verantwortlich sein, dass die Isländer das Volk mit der längsten Lebenserwartung in Europa sind.

Dermaßen überbewerten würde ich den Skyr nicht. Meiner Einschätzung nach mögen die Isländer einfach gerne Superlative – und wenn es zusätzlich hilft, Touristen zu beeindrucken, umso besser. Im Grunde ist Skyr vergleichbar mit Magerquark. Er enthält aber immerhin ein Fünftel mehr Kalzium. Man muss allerdings einräumen, dass im bei uns verbreiteten Joghurt immer noch deutlich mehr Kalzium steckt. (Hier geht’s zu meinem Nährstoff-Vergleich zwischen Quark und Joghurt).

Ich finde, Skyr ist eine tolle, wenn auch vielleicht nicht perfekte Mischung aus Magerquark und Joghurt: Kalziumreich und fettarm, aber gleichzeitig schön dick und cremig.

Am Ende sollte – wie so oft – der Geschmack entscheiden, zu welchem Milchprodukt man greift. Wer Skyr genießen möchte, muss sich übrigens nicht unbedingt nach Island begeben. Mittlerweile wird das Traditionsprodukt auch exportiert, zum Beispiel in die Schweiz. In Deutschland bekommt man ihn eher über eine Bestellung im Internet. (Update 2016: Mittlerweile gibt es mehrere Milchprodukte-Hersteller in Deutschland, die Skyr ins Sortiment aufgenommen haben.)

Vegetarier müssen beim Skyr aufpassen

Vorsicht Vegetarier: Bei der Herstellung sowohl von Quark als auch von Skyr wird Lab verwendet. Ob dieses tierischen Ursprungs (aus den Mägen geschlachteter Kälber) ist oder mikrobiell erzeugt wurde, weiß nur der Hersteller, da Lab als Hilfsstoff klassifiziert wird und daher nicht gekennzeichnet werden muss.

Eine Liste der Herkunft des verwendeten Labs in gängigen Käse- und Quarkprodukten findet ihr übrigens hier: https://vebu.de/attachments/Labliste.pdf

Es muss nicht vegetarisch sein

Darf man guten Gewissens Tiere essen? Vor anderthalb Jahren bin ich zu dem Schluss gekommen: Nein. Trotzdem esse ich mittlerweile wieder Fleisch. Das Gefühl des Verzichts war zu stark. Und das ist in Ordnung, denn um sich ethisch anständig zu ernähren, muss es in meinen Augen nicht zwangsläufig vegetarisch sein.

Ich bin nicht stolz darauf, Fleisch zu essen und es war damals keine bewusste Entscheidung, wieder damit anzufangen. Ich habe einfach Appetit darauf. Vielleicht ändert sich das wieder, vielleicht nicht. Trotzdem hat mir meine kurze Veggie-Zeit einiges gebracht. Meine heutigen Essgewohnheiten unterscheiden sich deutlich von vorher: Fleisch ist etwas Besonderes, in meinem Alltag hat es wenig verloren.

Eine neue Genusswelt

Mein Versuch, mich vegetarisch zu ernähren, hat meine Essgewohnheiten in vielerlei Hinsicht verändert. Ich habe Rezepte und Lebensmittel entdeckt, auf die ich zuvor nie gekommen wäre. Unglaublich, aber vor dem Veggie-Test habe ich so gut wie nie mit Hülsenfrüchten gekocht. Mir war auch nicht bewusst, wie viele leckere Brotaufstriche es gibt – Wurst habe ich noch heute komplett aus meinem Kühlschrank verbannt und das ganz ohne Gefühl des Verlustes. Kurz: Mir hat sich eine ganz neue Genusswelt eröffnet.

In meinen wenigen fleischfreien Monaten war ich wahrscheinlich ziemlich missionarisch unterwegs. Dabei verstehe ich ja selbst am besten, was Fleischesser umtreibt: Auf Fleisch zu verzichten ist für sie wie für mich eben genau das: ein Verzicht.

Und der muss nicht unbedingt sein. Sogar der für seine vegane Lebensweise berühmte Attila Hildmann hat mir einmal in einem Interview verraten, dass es nicht um strikte Askese geht: „Man muss nicht komplett [auf Fleisch] verzichten, sondern kann sich langsam herantasten. Mit jedem Schritt wird das Leben dabei gesünder und irgendwann packt es einen, wenn man merkt, wie gut es einem plötzlich geht.“

Wie viel man allein durch die Einschränkung des Fleischkonsums bewirkt, zeigt dieser kurze Ausschnitt aus einem Fernsehbeitrag des SWR:

Alternative zum Vegetarismus: Die Vollwerternährung

Das, was man neumodisch Flexitarier nennt, hat in Wirklichkeit eine lange ernährungswissenschaftliche Tradition: Die sogenannte Vollwerternährung geht zurück auf den deutschen Ernährungswissenschaftler Werner Kollath (1892-1970) und wurde in den 70er Jahren von Claus Leitzmann und seinen Kollegen zur sogenannten Gießener Formel weiterentwickelt.

Diese empfiehlt – wie bereits von Kollath propagiert – Nahrungsmittel so natürlich wie möglich, also unverarbeitet, zu essen. Die Ernährung ist darüber hinaus überwiegend lakto-vegetabil, das heißt, sie besteht aus hochwertiger pflanzlicher Kost sowie Milch und Milchprodukten. Fleisch, Fisch und Eier werden nicht vom Teller verbannt, aber nur in Maßen genossen, etwa ein bis zwei Mal die Woche. Auf Fertigprodukte, Fast Food, oder Zuckerhaltiges sollte man so weit wie möglich verzichten. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) richtet sich in ihren Empfehlungen im Wesentlichen nach der Vollwerternährung.

Die Gießener Formel geht aber weiter als die DGE: Sie berücksichtigt auch die ökologischen und sozialen Aspekte der Ernährung. Bevorzugt werden daher Bio-Produkte, möglichst unverpackte Lebensmittel sowie Nahrung, die unter sozial verträglichen Bedingungen hergestellt wurde.

Genau das ist (derzeit) meine Vorstellung von der richtigen Ernährung und die hat – trotz ihrer traditionsreichen Vergangenheit – Zukunft: Nach ganzheitlichem Ansatz und mit gutem Gewissen genießen – und das muss nicht zwangsläufig vegetarisch sein.

Fleischersatzprodukte: Sind Tofu und Co. wirklich so gesund?

Viele, die auf Fleisch verzichten, greifen stattdessen zu Tofu und anderen Fleischersatzprodukten. Vor allem Tofu ist wahnsinnig vielseitig und kann – auch wenn Fleischfans das vielleicht bezweifeln – richtig lecker schmecken. Eine überwiegend vegetarische Lebensweise ist nach Ansicht von Experten auch gesünder. Allerdings: Der tägliche Genuss von Fleischersatzprodukten ist es nicht.

Tofu-Bolognese, Wiener Schnitzel aus Seitan oder Bratwürstchen aus Lupinen: Die Palette an vegetarischen Produkten, die Fleisch nachahmen, ist mittlerweile riesig. Auch wenn man Vegetarismus im Allgemeinen mit einer bewussteren Lebensweise verbindet (meist zu Recht), sind solche Fleischersatzprodukte aber nicht unbedingt so gesund, wie man sich gerne vorgaukelt: Viele sind stark industriell verarbeitet (und damit weniger naturrein als Fleisch) und enthalten etliche Zusatzstoffe, um tierischem Eiweiß in Geschmack und Konsistenz so nahe wie möglich zu kommen.

Viel Eiweiß, wenig Fett – aber…

Was die Nährstoffe angeht, lässt sich bei Tofu, Sojafleisch, Seitan oder Tempeh nicht meckern: Alle besitzen viel hochwertiges Eiweiß (normalerweise ist pflanzliches Eiweiß weniger hochwertig als tierisches, das heißt, der Körper kann es schlechter verwerten), weniger Fett und weniger Kalorien als Fleisch. Doch nicht alle sind gleich empfehlenswert.

Sojafleisch ist texturiertes Soja, das in seiner Konsistenz Fleisch ähnelt. Um diese Ähnlichkeit zu erreichen, werden Zusatzstoffe wie Aromastoffe, Geschmacksverstärker und Verdickungsmittel verwendet.

Tofu ist ein aus Sojamilch gewonnener Quark. Die Herstellung gleicht der von Käse aus Milch.

Tempeh wird traditionell in Indonesien gegessen, ist aber auch in unseren Breiten erhältlich. Um es zu gewinnen, wird Soja mit Hilfe von Schimmelpilzen fermentiert.

Seitan besteht aus Weizenprotein und ähnelt in seiner faserigen Konsistenz Fleisch sehr. Um das zu erreichen, sind – wie bei Sojafleisch – viele industrielle Verabeitungsschritte und etliche Zusatzstoffe nötig.

Lupinentofu ist die heimische Alternative zu Sojatofu. Für die Herstellung werden Lupinensamen, die wie Soja zu den Hülsenfrüchten gehören, verwendet. Lupinentofu ist aufgrund kurzer Transportwege auch ökologisch gut zu bewerten.

Fleischersatz sollte nicht täglich auf den Tisch

Die Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) hat die oben aufgeführten Fleischersatzprodukte bewertet und kommt zu dem Ergebnis, dass sich außer Tofu keines für die Vollwert-Ernährung (also eine ausgewogene, fleischarme, ökologisch vertretbare Lebensweise) eignet. Auf der Webseite heißt es: „Aufgrund ihrer starken Verarbeitung sollten die Fleischimitate in der Alltagsküche eher eine Ausnahme bleiben.“ Sie könnten allenfalls einen Beitrag leisten, um Einsteigern den Verzicht auf Fleisch zu erleichtern und den Speiseplan hin und wieder aufzupeppen.

Noch schlechter schneiden Produkte ab, die aus Tofu und Co. weiterverarbeitet werden, also Soja-Wiener, Veggie-Nuggets oder vegetarischer Aufschnitt. Die Verbraucherzentrale Hamburg untersuchte unlängst 20 dieser Produkte. Vier davon enthielten insgesamt zu viel Fett, fünf zu viele gesättigte Fettsäuren, fünf zu viel Kochsalz. Außerdem wird auch an Zusatzstoffen oft nicht gespart. Damit sind solche Produkte aus ernährungsphysiologischer Sicht vergleichbar mit echter Wurst.

Mein Fazit: Fleischersatzprodukte dürfen auf den Tisch, sollten aber – genauso wie Fleischwaren – nicht täglich gegessen werden.