Heilfasten: Anleitung, Ablauf & Dauer

Heilfasten ist in aller Munde, doch was steckt genau hinter dem Verzicht auf unsere tägliche Nahrung? Vielleicht eine Möglichkeit, mal schnell etwas Hüftgold loszuwerden? Was genau dahinter steht und wofür das Heilfasten eine Rolle spielen kann, erklären wir dir im Folgenden. Möchtest du diese Fastenerfahrung selbst machen oder findest darin Ansätze für dich, erfährst du weiter unten etwas zu den verschiedenen Formen des Heilfastens.

Im folgenden Artikel erfährst du:

  • Was Heilfasten überhaupt ist
  • Wie du nach Otto Buchinger fastest
  • Welche Fastenvarianten es gibt

Was ist Heilfasten?

Fasten ist die Beschreibung des freiwilligen Verzichts auf Nahrung. Teilweise wird Fasten bereits seit Jahrtausenden von unterschiedlichen Kulturen und in unterschiedlichen Religionen praktiziert. Die Idee, Fasten als Heilmethode zu nutzen, wurde vor allem im 20. Jahrhundert durch den Arzt Otto Buchinger beschrieben. Vertreter des „Heilfastens“ sprechen von einer physiologischen Ernährung „von innen“ aus den eigenen Nahrungsreserven.

Eine ganz wesentliche Rolle spielt das Heilfasten in der sogenannten integrativen Medizin: Ansatzpunkt soll die Reinigung von Körper, Geist und Seele sein. Dahingehend kann das Heilfasten für sowohl Gesunde als auch Erkrankte interessant werden, darf jedoch nicht als einfaches Mittel zum Gewichtsverlust angesehen werden. Es kann aber grundsätzlich auch eine Möglichkeit zum Einstieg in eine Gewichtsabnahme mit anschließender Ernährungsumstellung bieten. Die Betreuung durch Ärzte, die auf Fastentherapien spezialisiert sind, ist dabei unerlässlich.

Hierbei wird unterschieden zwischen dem Gesundheitszustand, also ob präventiv oder mit therapeutischem Hintergrund gefastet werden soll, sowie der Art der Betreuung. Es gibt deutschlandweit verschiedenste Fastenkliniken, in denen du unter stationärer Kontrolle fasten kannst. Meist wird dabei in einer Gruppe gefastet, deren Teilnehmer von einem Fastenleiter geführt werden.

Bei richtiger Durchführung bleibt eine gute Leistungsfähigkeit ohne Hungergefühl erhalten. Unverzichtbar dafür ist eine ausreichende kalorienarme Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser oder Tee. Warme Gemüsebrühen, Obst- und Gemüsesäfte ergänzen den Fastenplan, um eine möglichst hohe Ausscheidung über Darm, Nieren und Leber zu fördern. Zusätzlich ist es wichtig, ein gutes Gleichgewicht zwischen Ruhe und körperlicher Bewegung zu finden. Zur Anregung des Stoffwechsels wird gleichzeitig auf körperliche Aktivität Wert gelegt. Das Ziel ist ein sorgfältiger Kostaufbau nach Ende der Fastenzeit, auf die ein gesünderer Lebensziel folgen soll.

Anhänger des Heilfastens sehen darin eine fächerübergreifende Behandlungsform, die in eine Vielzahl von Stoffwechselvorgängen eingreift und deshalb verschiedene Organsysteme sowie die Psyche beeinflusst. Die wissenschaftliche Studienlage belegt noch keine definitiven Beweise für eine Heilung bei konkreten Krankheitsbildern, allerdings sind vorteilhafte Effekte ersichtlich z. B. bei bestimmten chronischen Entzündungen und chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates.

Endokrine Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten wie das metabolische Syndrom, eine Kombination aus erhöhtem Nüchternblutzucker und erhöhten Blutfetten, Bluthochdruck und Adipositas, können über einen Nahrungsverzicht positiv beeinflusst werden. Weiterhin soll das Heilfasten lindernde Wirkung auf chronische kardiovaskuläre Erkrankungen und Krankheiten des Nervensystems haben. Eine unterstützende Funktion unter Chemotherapie wird diskutiert.

Folgenden Beschwerden schreiben Anhänger des Heilfastens positive Effekte zu:

  • Chronische Entzündungen
  • Chronische kardiovaskuläre Krankheiten
  • Chronische Schmerzen des Bewegungsapparates
  • Stoffwechselkrankheiten
  • Psychosomatische Krankheiten

Während des Heilfastens können sogenannte Fastenkrisen auftreten.  Dies geschieht häufig vor allem in den Anfangstagen in Form von Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit und Müdigkeit. Des Weiteren können Rückenschmerzen, Kreislaufbeschwerden, Elektrolytstörungen und eine leichte Unterzuckerung die Fastenzeit erschweren.

Eine Bittersalz-Lösung wird beim Fasten als Abführmaßnahme eingesetzt.

Wer an einer Schilddrüsenüberfunktion, Magersucht, einer fortgeschrittenen Leber- oder Niereninsuffizienz oder anderen Krankheiten leidet , sollte sich vor einer Heilfastenkur vom Arzt beraten lassen. Schwangere, Kinder und Jugendliche sollten grundsätzlich von einem länger andauernden Nahrungsverzicht absehen. Riskant eingestuft ist Heilfasten bei Suchterkrankungen, Psychosen und Diabetes mellitus Typ 1.

Der Einstieg in fast alle Fastenkuren ist eine Darmentleerung, vor der viele zunächst einmal zurückschrecken. Wegen der reduzierten Eigenbewegung des Darms können sich Toxine ansammeln, die normalerweise auf dem Verdauungsweg mit ausgeschieden werden. Die Sekretion von Galle und anderen Flüssigkeiten wird weiterhin fortgesetzt und kann aber wegen Nichtausscheidung während des Fastens dazu führen, dass man sich unwohl fühlt. Die Darmentleerung soll dabei helfen, das Hungergefühl trotz verminderter Nahrungsaufnahme zu unterdrücken.

Die Abführmaßnahmen unterscheiden sich je nach gewählter Fastenart. Entweder wird der Darm über einen Einlauf mit körperwarmem Wasser entleert oder alternativ eine Lösung mit abführendem Bittersalz (Glaubersalz) getrunken. Die Methode des Hydrocolon ist eher mit einer Darmspülung zu vergleichen und wird seltener angewendet. Teilweise werden die Methoden auch kombiniert.

Fasten nach Buchinger

Das Buchinger Fasten stellt lediglich eine Form des Heilfastens dar, wohl aber die bekannteste. Otto Buchinger (1878-1966) war deutscher Arzt und gilt als Begründer des Heilfastens. Als Anhänger der Lebensreform standen und stehen bis heute in seiner Therapieform Ernährung und Bewegung im Mittelpunkt. Alkohol- und Tabakkonsum lehnte er strikt als schädlich ab. Buchinger spricht vom Heilfasten als einer Diät der drei Dimensionen Körper-Seele-Geist, wobei es sich nach ihm um eine nicht voneinander zu trennende Einheit handelt. Heilfasten ist für ihn nicht nur medizinisch, sondern ebenso psychosozial und spirituell. Fastende sollen ihren Geist bilden durch Musik und Literatur, meditieren und die Natur bewusst wahrnehmen.

Sein eigener Heilerfolg über seine rheumatische Arthritis durch eine dreiwöchige Fastenkur inspirierte ihn so sehr, dass er seine Zeit als Marinearzt beendete und sich der alternativen Naturheilkunde widmete. Buchinger beschreibt die Wirksamkeit des Heilfastens dahingehend, dass es die Selbstheilungskräfte aktiviert und den Organismus dadurch reinigt. Die „Entschlackung“ steht für ihn als Metapher für vielfältige gesundheitsfördernde Vorgänge im fastenden Organismus.

Tasse Tee mit KräuternAn Fastentagen sollte Kräutertee in ausreichender Menge getrunken werden.

Anfang 2019 wurde die weltweit bisher größte wissenschaftliche Fastenstudie über die Wirkung des Buchinger Heilfastens in der Klinik Buchinger Wilhelmi in Überlingen veröffentlicht. Bei dieser Studie wurden allerdings keine unterschiedlichen Fastenmethoden miteinander verglichen.

Wie fastet man nach Buchinger?

Das traditionelle Heilfasten nach Otto Buchinger dauert zwei bis vier Wochen, allerdings müssen Fastenmethode und Dauer immer individuell angepasst werden. Gesunde profitieren auch von kurzen Einheiten, längere Phasen können bei bestimmten Indikationen Sinn ergeben. Fastenärzte sprechen von 7-10 Tagen, wobei ein Entlastungs- sowie mehrere Tage zur Kostaufbau hinzukommen. Der Wunsch des Patienten und die Erfahrung des Arztes bestimmen den Erfolg der Therapie maßgeblich.

Der sogenannte Entlastungstag ist der Tag vor Beginn deiner Fastenkur. An diesem Tag nimmt man Nahrung zu sich, die etwa der Hälfte des alltäglichen Bedarfes an Energie entspricht (ca. 1000 kcal). Auf Koffein, Nikotin und Alkohol wird verzichtet. Ruhe und körperliche Aktivität spielen von Anfang an eine tragende Rolle.

Der erste Fastentag beginnt mit der Darmreinigung durch das Trinken von in Wasser gelöstem Glaubersalz. Allgemein beinhaltet jeder Fastentag vor allem eines: Viel trinken! Täglich sollten mindestens 2,5 Liter über Kräutertees und Wasser aufgenommen werden, zusätzlich Obst- und Gemüsesäfte sowie abends Gemüsebrühe. Ein Maximum von 500 kcal am Tag darf nicht überschritten werden. Ein Löffel Honig soll helfen, den Blutzucker etwas anzuheben und den Kreislauf in Schwung zu bringen.

Das Fastenbrechen wird klassisch nach einigen Wochen mit einem rohen oder gekochten Apfel begonnen, abends darf man eine warme Kartoffelsuppe essen. Die Aufbaukost ist leicht-verdaulich, vegetarisch, ballaststoffreich (Vollkorn), reich an ungesättigten Fettsäuren (Leinöl, Nüsse) und darf auch Milchprodukte umfassen. Schwerpunkt bei der festen Nahrung liegt nun erstmal auf dem langsamen und bewussten Kauen. Die Kalorienzufuhr wird Tag für Tag erhöht, wobei weiterhin eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme wichtig ist. Spontane Darmbewegungen treten normalerweise spätestens am 4.Tag nach Fastenbrechen auf.

Fastenplan nach Buchinger:

Entlastungstag: Energiereduktion auf ca. 1000 kcal

Fastentage:

  • mind. 2,5 l Kräutertees/Wasser
  • Obst- und Gemüsesäfte (0,25 l)
  • Gemüsebrühe (0,25 l)
  • bei Bedarf: 30 g Honig

Fastenbrechen: Aufbautage (je nach Fastendauer 1-4 Tage): langsamer Kostaufbau

Varianten des Heilfastens

Keine der folgend beschriebenen Fastenkuren ist zur Diät oder reinen Gewichtsabnahme empfohlen, es handelt sich viel eher um ein modifiziertes Fasten.

Mayrkur

Die Mayrkur, auch bekannt als Milch-Semmel-Kur, wurde vom österreichischen Kurarzt Dr. Mayr (1875-1965) entwickelt. Er sah einen engen Zusammenhang zwischen der Gesundheit und der Verdauung. Diagnostik und Therapie sollen der Behandlung chronischer Erkrankungen und der Gesundheitsvorsorge dienen, bisher gibt es dafür keine wissenschaftlichen Belege.

Vier Prinzipien liegen dieser Fastenmethode zugrunde: Schonung- Säuberung- Schulung- Substitution. Die Schonung als umfassendstes Prinzip meint eine Vorbereitung auf die Kur durch reduzierte Nahrungsmittelaufnahme und Verzicht auf belastende Lebensmittel (Alkohol, Süßigkeiten, sehr Fettiges), was Parallelen zum Entlastungstag bei Buchinger zeigt. Für die Säuberung muss man abführende Bittersalze einnehmen, eine Form der Darmentleerung. Das dritte Prinzip der Schulung möchte das Wissen des Fastenden zu einer bewussteren Essensaufnahme erweitern: Man soll eine bessere Sensibilität für ein ausreichendes Kauen während der Mahlzeit und eine nicht zu hastige Nahrungsaufnahme entwickeln. Als letzte Säule steht die Substitution für eine ausreichende Versorgung des Körpers mit lebensnotwendigen Nähr- und Vitalstoffen (Vitamine, Spurenelemente und Mineralien).

Die Kur umfasst drei Stufen der „Darmsanierung“, welche den Ablauf bestimmen:

  1. 1. Tee-Wasser-Fasten: über 1-2 Wochen Wasser, Kräutertees, Gemüsebrühe
  2. 2. Milch-Semmel-Diät: über 1-2 Wochen morgens und mittags ein altes Brötchen (Weiß-/Dinkelmehl) mit löffelweise Milch; abends Tee löffeln
  3. 3. Milde Ableitungsdiät: leichte Kost mit schonend gegartem Gemüse; Brötchen mit Milch

Laut Mayr ist die Kur mehr ein Mittel zum Zweck für die Art der Ernährung. Für ihn gilt die Monotonie der Kost als Heilmittel des Fastenden.

Herbert Krauß hat das "Saftfasten" entscheidend geprägt.
 
Saftfasten

Das Saftfasten ist ebenfalls eine spezielle Form des Fastens, besonders geprägt von Herbert Krauß (1909-1991).

Über einen begrenzten Zeitraum trinkt man bis zu eineinhalb Liter frische Frucht- und Gemüsesäfte, dazu Wasser und Tee. Diese Methode soll  in Kombination mit körperlicher Betätigung Entgiftung und Stoffwechsel anregen, wobei dem Saftfasten ein Vorteil aufgrund der hohen Aufnahme an Vitaminen und Mineralstoffen zugesprochen wird.

Schrothkur

Die Schrothkur nach dem Fuhrmann Johann Schroth (1798-1856) basiert auf der Annahme, dass ein mehrwöchiges Fasten die Selbstheilungskräfte durch die Entgiftung des Körpers aktiviert. Der Begründer beschreibt dies in einem Selbstversuch.

Elemente dieser Kur sind abwechselnde Trink- und Trockentage meist im Dreitagerhythmus. An Trockentagen isst man spezielle salz-, fettlose und eiweißarme Kost mit Reis- und Haferbrei ergänzt durch gekochtes Gemüse, Obst und trockene Brötchen. Trinken darf man weniger als einen halben Liter. Dazu gehören Schrothsche Packungen bzw. Dunstwickel, wobei der gesamte Körper nachts in feuchtkalte Tücher gewickelt wird.

Der Deutsche Schrothverband nennt rund 20 mögliche Indikationen für diese Fastenmethode: Stoffwechselstörungen, Gicht, Migräne, Allergien und Burn-Out sind darunter die häufigsten.

Die klassische Schrothkur wird von Medizinern und Ernährungswissenschaftlern strikt abgelehnt, da die Diät nur eine mangelhafte Versorgung mit Nährstoffen bietet und zu stark entwässert.

Molke-Fasten

Beim Molke-Fasten handelt es sich um ein Protein-modifiziertes Fasten. Es ist eine Sonderform der Nulldiät, ähnlich dem Saftfasten. Man verzichtet auf herkömmliche feste Nahrung und ersetzt diese durch Molke und andere Flüssigkeiten wie Säfte. Die Molke ist eigentlich ein Nebenprodukt der Käseherstellung, enthält jedoch sehr hochwertige Proteine. Reichhaltig an Mineralien (Kalzium), Vitaminen und natürlich Eiweiß, soll die Molke deinen Muskelabbau in der Fastenzeit hemmen, der von deinem Körper normalerweise zur Energiegewinnung veranlasst wird. Zusätzlich wirkt die Laktose in der Molke abführend.

Über etwa zwei Wochen hinweg trinkt man täglich einen Liter Molke plus zwei Liter natriumarmes Mineralwasser. Dazu kommt zweimal am Tag eine warme Gemüsebrühe ohne Würzung. Entlastungs- und Aufbautage sind wiederum sinnvoll. Dem Molke-Fasten wird eine unterstützende Wirkung bei Gelenkproblemen und Durchblutungsstörungen zugeschrieben.

Markert-Diät

Der Arzt Dieter Markert entwickelte diese Diät ursprünglich als eine Form des Heilfastens, heutzutage hat sie sich allerdings als unterkalorische Diät zur Gewichtsabnahme durchgesetzt. Morgens und mittags isst man Obst, Gemüse und Nahrung mit viel pflanzlichen Fetten, abends nimmt man einen Eiweißdrink mit Iod und Carnitin. Das Protein soll die Hormonproduktion der Schilddrüse und folglich den Stoffwechsel ankurbeln, wodurch mehr Fett verbrannt wird.

Diese Diät steht allerdings in Kritik wegen eines fast unvermeidlichen JoJo-Effekts, nachdem man wieder zur alltäglichen Kalorienmenge übergeht. Weder die Wirksamkeit der Diät in Bezug auf die Gewichtsreduktion noch der Einfluss auf die Schilddrüsenfunktion wurden wissenschaftlich belegt.

Heilfasten - Ein Blick über den Tellerrand

Das Thema Heilfasten stößt weltweit auf unterschiedliche Resonanz, auch obgleich es einen Ansatz mit langer Tradition darstellt. Noch gibt es zu wenige wissenschaftliche Belege, um diesen Versuch der Heilmethode als evidenzbasiertes Verfahren in den medizinischen Alltag einzubauen oder gar Versprechen einer Heilung zu machen.

Die verschiedenen Fastenkuren bieten eine Möglichkeit, das Heilfasten individuell unter ärztlicher Betreuung zu erfahren und sich selbst eine Meinung bezüglich dessen Wirksamkeit zu bilden.

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