Ernährung bei Darmpilz; Frau mit Gemüse

Darmpilz-Beschwerden: Kann die richtige Ernährung helfen?

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„Sie haben einen starken Darmpilzbefall.“ Diese Aussage klingt im ersten Moment oftmals mehr als unangenehm. Und doch trifft sie auf viele Menschen zu. Aus verschiedenen Gründen kann es vorkommen, dass ein Pilz sich stark im Darm ausbreitet und dadurch das natürliche Gleichgewicht des Mikrobioms gestört wird. Hier erfährst du, wie und warum es zu Beschwerden kommen kann und wie du einen Darmpilz wieder loswirst.

In diesem Artikel erfährst du

  • Wie es zu einem Darmpilzbefall kommt.
  • Warum ein Darmpilz grundsätzlich nicht schlimm ist.
  • Was bei einem Darmpilzbefall wirklich hilft.
  • Welchen Einfluss die Ernährung hat.

Warum können Darmpilze
schädlich sein?

Pilze werden häufig mit ungebetenen Gästen im Körper verbunden. Dabei beherbergt in der Regel jeder von uns – meist auf den Schleimhäuten – bestimmte Pilzarten. Diese sind nicht schädlich und stellen sogar einen wesentlichen Bestandteil des Zusammenspiels von Mikroorganismen in unserem Körper dar. Auch in unserem Darm lebt eine Vielfalt unterschiedlicher Bakterien und Pilze, die zusammen unter dem Begriff Mikrobiom bekannt ist. Gesunde Menschen profitieren sogar von diesem Zusammenleben der unterschiedlichen Kleinstorganismen, da sie wesentliche Aufgaben in unserem Stoffwechsel und für unser Immunsystem erfüllen.

Die meisten Pilze in unserem Darm und auch auf anderen Körperstellen, die mit einem Mikrobiom besiedelt sind, werden als „Kommensale“ bezeichnet. Das bedeutet, sie gehören schlichtweg dazu und werden durch andere Mikroorganismen in ihrem Wachstum reguliert. Erst wenn es zu einer Dysregulation kommt, können die Pilze anfangen, sich unkontrolliert zu vermehren und zum Problem werden.

Symptome eines Darmpilzbefalls

Vor allem der Pilz Candida albicans aus der Gruppe der Candida-Pilze ist in vielen Fällen verantwortlich für diverse Beschwerden, sobald er sich erstmal zu stark vermehrt. Tückisch kann es sein, wenn die Symptome nicht gleich vermuten lassen, dass ein Pilz für diese verantwortlich ist. Die Symptome eines übermäßigen Darmpilz-Befalls umfassen unter anderem:

  • Bauchschmerzen
  • Verdauungsprobleme
  • Häufiges Aufstoßen
  • Durchfall
  • Blähungen
  • Verstopfung
  • Blutungen
  • Fieber
  • Sehr dunkler, oft glänzender Stuhl („Meläna“/Teerstuhl)

Ursachen für ein übermäßiges Pilzwachstum im Darm

All diese Beschwerden entstehen nicht ohne Grund. Die Ursachen für ein Ungleichgewicht zwischen Pilzen und Bakterien im Verdauungstrakt können vielfältig sein. Eine der wohl am häufigsten vorkommenden Ursachen für einen Darmpilzbefall ist eine länger andauernde Einnahme von Breitspektrumantibiotika. Diese können zahlreiche Bakterien im Darm zerstören, welche normalerweise das gesunde Gleichgewicht des Mikrobioms inklusive Pilzen wahren.

Pilze lassen sich im Gegensatz zu den meisten Bakterien nicht durch eine Therapie mit Antibiotika bekämpfen. Stattdessen werden bei einer antibiotischen Therapie gerade diejenigen Keime vermindert, die oftmals dafür sorgen, dass die Pilze auf natürliche Weise kontrolliert werden. In der Folge haben die Pilze mehr Raum, um sich auszubreiten. Auf diese Weise kann es zu einem übermäßigen Wachstum kommen. Selbst nach Abschluss einer Antibiotikatherapie kann es schwierig sein, den Pilzbefall ohne Medikamente in den Griff zu bekommen.

Neben einer Antibiotikatherapie kann ein vermehrtes Pilzwachstum auch durch eine Schwäche des Immunsystems ausgelöst werden. Beispielsweise kann eine längere Behandlung mit Corticosteroiden (umgangssprachlich „Kortison“) zu einem Darmpilzbefall führen, da das Kortison unser Immunsystem beeinflussen kann. Derselbe Effekt kann bei einer sogenannten parenteralen Ernährung beobachtet werden. Hierbei gelangt die Nahrung nicht über den Magen-Darm-Trakt in den Organismus, sondern wird durch eine Sonde direkt in die Blutbahn gelenkt.

Häufig wird auch eine falsche Ernährung als Grund für den Darmpilzbefall angegeben. Diese These ist wissenschaftlich jedoch nicht fundiert. In Zellkulturen und Tierversuchen konnte beobachtet werden, dass Candida albicans sich durch Glukose stärker vermehrt. Dabei war das Wachstum abhängig von der Glukose-Konzentration. Diese Versuche sind jedoch lediglich Hinweise darauf, dass eine zuckerreiche Ernährung ein Wachstum von Candida albicans begünstigen kann. Die Experimente haben keine Aussagekraft über die Verhältnisse in unserem Darm. Zucker, auch wenn wir viel davon essen, wird als erstes in unserem Verdauungstrakt verwertet und steht im Dickdarm daher gar nicht mehr zur Verfügung.

Frau in Sportbekleidung hält sich im Unterarmliegestütz auf einer Mauer.Der Pilz candida albicans.

Was hilft wirklich bei Darmpilz?

Bei Verdacht auf Darmpilz ist der erste und einzig richtige Schritt der sofortige Gang zum Arzt. Bei bestimmten Personengruppen sowie bei einer besonders starken Ausprägung kann ein Darmpilz sogar lebensgefährlich sein. Nur die gezielte Gabe von wirkungsvollen Antipilzmitteln, sogenannten Antimykotika, kann schnelle und effektive Abhilfe schaffen. Aus diesem Grund ist schnelles Handeln gefragt. Ein Experimentieren mit Hausmitteln und willkürlicher Ernährungsumstellung ist nicht nur wenig zielführend, sondern unter Umständen auch gesundheitsgefährdend.

Seit vielen Jahren kursiert der Begriff „Candida-Diät“ durch die Weiten des Internets und diverse Naturheilpraxen. Hierbei sollen Zucker und Stärke nahezu komplett aus der Ernährung gestrichen werden, um den Pilz „auszuhungern“. Begründet wird dies damit, dass der Pilz sich vorwiegend von Zucker ernährt und dadurch besser und schneller wachsen kann. Ein Zuckerentzug solle den Pilz hingegen absterben lassen.

Eine wirkungsvolle Candida-Diät existiert nicht

Eine Zucker- oder kohlenhydratreduzierte Ernährung, wie sie als „Candida-Diät“ propagiert wird, ist dennoch fragwürdig. Zucker, der über die Nahrung in den Verdauungstrakt gelangt, wird bereits im Dünndarm resorbiert und gelangt daher nur in geringen Mengen zum Dickdarm, wo der Darmpilz sich befindet.

Dass ein Darmpilz sich lediglich von Zucker ernähren kann, ist darüber hinaus falsch. Candida albicans ist beispielsweise in der Lage, langkettige Fettsäuren, wie sie in tierischem Schmalz oder Sojaöl gefunden werden, zu verwerten und zum Wachstum zu nutzen. Die so oft verbreitete Meinung, man müsse sich bei Darmpilz ausschließlich zuckerfrei und kohlenhydratarm ernähren, ist daher wissenschaftlich nicht belegbar. Auch sonst existieren keine fundierten Erkenntnisse über eine empfohlene Ernährungsform bei übermäßig viel Candida oder anderen Pilzen im Darm. Tatsächlich sind Pilze in der Lage, die unterschiedlichsten Nahrungsquellen zu erschließen.

Auch wenn nur ein Antimykotikum als einzige Maßnahme den Pilzbefall eindämmen kann, ist eine ausgewogene Ernährung mit vielen Mikronährstoffen für das Immunsystem eine Hilfestellung, um wieder ein Gleichgewicht im Darm zu schaffen. Begleitend und nach Abschluss der Medikamenteneinnahme gegen den Pilz kann mitunter auch der Fokus auf eine probiotische Ernährung mit Naturjoghurt, Sauerkraut und anderen fermentierten Gemüsesorten gelegt werden. Bei Bedarf kann der Arzt ein entsprechendes Probiotikum verschreiben, um die Bakterienvielfalt im Darm wiederherzustellen.

Frau isst einen gemischten Salat aus einer Plastikschale mit einer Holzgabel.Antimykotika können den Darmpilz effektiv eindämmen.

Darmpilz-Tests sind häufig nicht aussagekräftig

Diverse Anbieter im Internet, Heilpraktiker und andere Therapeuten bieten eine Analyse des Stuhls an, um diesen auf das Vorhandensein von Pilzen zu untersuchen. Was zunächst nach einer einfach umzusetzenden Maßnahme klingt, ist jedoch wenig sinnvoll. Der Grund: Wir alle haben bestimmte Pilzarten im Darm, welche zum normalen und gesunden Mikrobiom dazugehören. Ein positiver Testbefund sagt daher wenig darüber aus, ob ein Ungleichgewicht des Mikrobioms vorliegt oder ob zu viele Pilze vorhanden sind.

Wichtiger für die Diagnose ist eine gründliche Anamnese sowie eine gründliche ärztliche Untersuchung, bei der alle Symptome berücksichtigt werden. Wenn der Arzt dies anordnet, kann auch ein Abstrich des Anus sinnvoll sein. Aus diesem Grund sollte man von derartigen Stuhlanalysen absehen, sofern sie nicht vom Arzt angeordnet und durchgeführt werden.

Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Brokkoli, Chia-Samen, Nüssen und Vollkornprodukte.Auch bei Darmpilz muss man nicht zwangsläufig auf Kohlenhydrate verzichten.

 

Darmpilz-Beschwerden: Kann die richtige
Ernährung helfen? 

Ein Darmpilzbefall kann unangenehme Symptome auslösen und im schlimmsten Fall sogar lebensgefährlich sein. Aus diesem Grund ist es wichtig, schon bei einem Verdacht auf einen Darmpilz umgehend den Arzt aufzusuchen. Dieser kann gezielt identifizieren, um welche Art von Darmpilz es sich handelt und ein exakt darauf abgestimmtes Antipilzmittel (Antimykotikum) verschreiben. Nur durch ein solches Medikament kann ein Darmpilzbefall sicher und effektiv behandelt werden.

Die Ernährung spielt dabei keine wesentliche Rolle. Zuckerreduzierte Antipilz-Diäten mit viel Gemüse sind nicht wissenschaftlich fundiert und können höchstens deshalb durchgeführt werden, um das generelle Wohlbefinden zu verbessern, das Immunsystem zu unterstützen und das Mikrobiom zu verbessern. Dass sie den Pilz beseitigen oder einer Infektion vorbeugen, ist jedoch nach heutigem Kenntnisstand nicht erwiesen.


Medizinisch geprüft durch
Dr. rer. nat. Dinah Murad
Dr. Dinah Murad fungiert als unabhängige medizinische Beraterin an der Schnittstelle von Wissenschaft und Marketing. Darmgesundheit ist für sie ein unterschätztes, aber überaus wichtiges Thema. Sie verantwortet die medizinische Prüfung aller Inhalte für unsere Leser.
Geschrieben von
Digestio Community Team 
Unser Digestio Community Team ist ein Netzwerk aus medizinischen RedakteurInnen, die unsere Inhalte durch wissenschaftlich fundierte Recherche sowie eigenen Erfahrungsberichten unterstützen.

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