Weizen und Kokosmilch

Hafermilch-Unverträglichkeit: Symptome und was du dagegen tun kannst

Unsere Inhalte sind pharmazeutisch und medizinisch geprüft.

Ein Latte Macchiato aus Hafermilch zum Frühstück – das ist doch gesund? Viele Menschen wollen mit veganen Milchalternativen etwas Gutes für ihre Gesundheit und die Umwelt tun. Doch Hafermilch kann Beschwerden wie Bauchschmerzen und Übelkeit verursachen. Ist das eine Unverträglichkeit oder gar eine Allergie? Hier erfährst du, was es damit auf sich hat.


In diesem Artikel erfährst du

  • Ob es eine Hafermilch-Unverträglichkeit oder Allergie gibt
  • Welche weiteren Ursachen deine Beschwerden haben können
  • Was du tun kannst, wenn du Hafermilch schlecht verträgst
  • Mit welchen Lebensmitteln du Hafermilch ersetzen kannst

Ursachen: Warum vertrage ich Hafermilch nicht?

Hafer ist ein heimisches Getreide, das grundsätzlich ein sehr wertvolles Nahrungsmittel ist und sich gut für eine gesunde Ernährung eignet: Hafer enthält viele Nährstoffe wie gesunde Fette, Eiweiß und Ballaststoffe und senkt zudem den Cholesterinspiegel.

Zwar enthält Hafermilch nur noch sehr wenige bis gar keine der gesundheitsfördernden Eigenschaften im Vergleich zu den ganzen Getreidekörnern. Doch die aus Hafer gewonnene, vegane Milchalternative ist ein regionales Lebensmittel und schont im Vergleich zu Kuhmilch die Umwelt. Kein Wunder also, dass der Verbrauch von Hafermilch steigt und immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Allerdings führt der Genuss von Hafer in sehr seltenen Fällen zu Symptomen wie Blähungen, Durchfall, Bauchkrämpfen oder Übelkeit. Manchmal kann Hafer aber auch Schnupfen, ein Brennen oder Jucken im Mund oder Atemnot verursachen. 

Als Ursache für die Beschwerden kommen eine Glutenunverträglichkeit, Glutensensitivität oder eine Allergie in Frage. 

Was bedeuten Glutenunverträglichkeit, Glutensensitivität oder eine Allergie?

Lebensmittelunverträglichkeiten sind Störungen, die den Stoffwechsel betreffen. Im Falle einer Unverträglichkeit besitzt der Körper nicht genug von bestimmten Enzymen oder anderen Transportproteinen, um bestimmte Bestandteile der Nahrung abbauen oder verdauen zu können. Diese Unverträglichkeiten sind zum Beispiel bekannt bei den Stoffen Milchzucker (Laktose), Fruchtzucker (Fruktose) oder Histamin.

Glutenunverträglichkeit:

Im Falle einer Reaktion gegen Hafer kommt aber eigentlich nur eine Unverträglichkeit gegen Gluten in Frage. Gluten ist ein sogenanntes Klebereiweiß, das in Getreide enthalten ist und unter anderem dafür sorgt, dass Brot beim Backen gut zusammenhält und nicht krümelig wird. Wichtig: Die überwältigende Mehrheit der Menschen verträgt Gluten problemlos, der Stoff ist grundsätzlich nicht gesundheitsschädlich.

Eine echte Glutenunverträglichkeit oder -intoleranz nennen Ärzte Zöliakie. Hier handelt es sich um eine langfristige Entzündung der Darmschleimhaut, die Symptome wie Durchfälle, Erbrechen, Zahnprobleme, Wachstumsstörungen und viele andere sehr beeinträchtigende Beschwerden verursacht. Eine echte Zöliakie ist sehr selten: Nur unter einem Prozent der Menschen in Deutschland leiden darunter.

Menschen mit dieser Krankheit vertragen überhaupt kein Getreide und müssen Weizen, Hafer, Roggen, Dinkel und Gerste lebenslang strikt meiden.

Typische Symptome bei einer Zöliakie sind:

  • Durchfälle
  • Verstopfung
  • Blähbauch
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Früh- oder Fehlgeburten
  • Unfruchtbarkeit
  • Migräne
  • Verzögerte Pubertätsentwicklung

Glutensensitivität

Wenn Hafermilch bei dir Beschwerden verursacht, könnte außerdem eine Glutensensitivität (im Fachjargon: Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität) in Frage kommen. Auch hier leiden Menschen nach dem Verzehr von Getreide an Bauchschmerzen, Durchfall, Müdigkeit oder Muskelschmerzen.

Eine Glutensensitivität schädigt aber nicht langfristig dem Darm, wie es bei einer Zöliakie der Fall ist und die Beschwerden sind nicht so schwerwiegend. Allerdings ist die Existenz dieser Störung umstritten, die Symptome und Auslöser konnten Forscher bislang noch nicht klar umreißen. Ärzte vermuten, dass in den meisten Fällen nicht Gluten die Ursache ist, sondern andere spezielle Stoffe, die in Getreide - vor allem Weizen -  enthalten sind.

Hafemilch-Unverträglichkeit: Verschiedene Brote und BrötchenWenn der Bauch nach dem Essen von Brot schmerzt, kann auch eine Unverträglichkeit Schuld sein.

An eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) oder an eine Glutensensitivität solltest du also erst denken, wenn du Symptome wie Durchfälle und Bauchkrämpfe nach dem Genuss von allen Getreidearten (Weizen, Roggen Gerste, Hafer) bekommst. Beide Störungen sind selten.

Allergie gegen Hafer

Eine andere Ursache für deine Beschwerden könnte eine Allergie sein. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem des Körpers abwehrend auf einen Stoff, der eigentlich harmlos ist. Viele Symptome einer Allergie äußern sich – im Gegensatz zu einer Lebensmittelunverträglichkeit – außerhalb des Verdauungstrakts: Die Schleimhäute schwellen an, begleitet von Jucken und allergischem Schnupfen.

Viele Menschen kennen das von einer Pollen- oder Hausstaubmilbenallergie. Im Falle von Symptomen nach dem Genuss von Hafermilch kommt eine Kreuzreaktion in Frage: Menschen, die allgemein gegen Gräserpollen allergisch sind, können auch auf Getreide wie Roggen, Hafer, Weizen, Gerste, Soja, Erdnüsse, Erbsen und sogar Tomaten allergisch reagieren.

Typische Symptome sind hier ein Jucken, Brennen oder Schwellungen im Mundraum, Atemnot, aber auch Bauchschmerzen und andere Magen-Darm-Beschwerden.

Was tun bei einer Hafermilchunverträglichkeit?

Wenn deine Beschwerden dich belasten und häufig auftreten, solltest du zum Arzt gehen. Dieser kann dich dann untersuchen und eine Diagnose stellen. Erst so kannst du wissen, was für die Beschwerden verantwortlich ist und die nötigen Schritte einleiten, um dich von ihnen zu befreien.

Wie erkennt dein Arzt Glutenunverträglichkeit?

Wenn du den Verdacht hast, unter einer Glutenunverträglichkeit oder Glutensensitivität zu leiden, kannst du deinen Hausarzt um Rat fragen. In der Regel wird er dich zu einem Gastroenterologen, also einem Spezialisten für Magen-Darm-Erkrankungen überweisen. Nur ein Facharzt kann eine Diagnose auf Zöliakie stellen. Bei Verdacht auf Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) nimmt dieser eine Blutprobe und untersucht, ob dein Blut bestimmte Antikörper enthält.

Wenn dies der Fall ist, führt der Arzt zusätzlich eine Magenspiegelung durch und nimmt eine Probe aus dem Dünndarm. Erst dann kann er eine sichere Diagnose stellen. 

Glutensensivität-Diagnose: Wie wird sie gestellt?

Einen speziellen Test auf eine Glutensensitivität  gibt es nicht, da die genauen Auslöser noch nicht bekannt sind und die Existenz der Störung umstritten ist. Ärzte können aber eine Ausschlussdiagnose stellen: Sie schließen alle anderen in Frage kommenden Erkrankungen aus und stellen dann die Diagnose Glutensensitivität, die im Fachjargon „Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität“ heißt.

Hafer-Allergie: Wie kann man sie erkennen?

Wenn eine Allergie als Ursache in Frage kommt, wird dein Arzt dich nach bereits bekannten Allergien fragen und dann einen klassischen Allergie-Test, den sogenannten Prick-Test durchführen. Hier tropft der Arzt verschiedene Allergene auf die Innenseite des Unterarms.

Mit einer feinen Nadel ritzt der Arzt die Haut oberflächlich an. Ist der Patient allergisch, so reagiert er an der entsprechenden Stelle mit einer Rötung oder einer Quaddel.

Ist der Allergietest auf Hafer positiv, solltest du das Getreide in der Ernährung vermeiden.

Hafermilch-Unverträglichkeit: Allergietest beim ArztEin Allergietest kann für Klarheit sorgen

Bei Unverträglichkeit: Wie kann ich Hafer vermeiden?

In Deutschland müssen die wichtigsten Allergene auf Lebensmittelverpackungen und in Restaurants gekennzeichnet sein: Das sind alle Getreidearten, Ei, Milch, Soja und Meeresfrüchte. Hafer gehört als Getreideart dazu. Du wirst also auf Verpackungen und in Menükarten Hinweise darauf finden, so kannst du die Aufnahme von Hafer leicht vermeiden.

Wenn du gesund bist, gibt es allerdings keinen Grund, Getreide vom Speiseplan zu streichen. Das kann dir sogar schaden: In Getreide sind oft viele Ballaststoffe und Mineralstoffe enthalten, die für eine gesunde Ernährung wichtig sind.

Welche Alternativen zu Hafermilch gibt es?

Wenn du Hafermilch nicht verträgst, kannst du natürlich stattdessen Kuh-, Schaf- oder Ziegenmilch verwenden. Möchtest du lieber auf vegane Alternativen zurückgreifen, kannst du Hafermilch durch Mandelmilch, Cashewmilch, Kokosmilch, Soja- oder Reismilch zum Kochen und Trinken ersetzen. Allerdings lohnt sich hier ein genauer Blick: Nicht alle dieser Milchalternativen sind gleich gesund.

Große Mengen Sojamilch können den Hormonhaushalt durcheinanderbringen, da die enthaltenen Phytoöstrogene den menschlichen Hormonen sehr ähneln. Reismilch ist sehr nährstoffarm und zuckerreich. Experten halten Mandelmilch für die bessere Wahl: Sie enthält von Natur aus Kalzium und andere Mineralstoffe. Grundsätzlich sollte in Milchalternativen kein Zuckerzusatz enthalten sein. 

Hafermilch-Unverträglichkeit: Verschiedene MilchalternativenEs gibt zahlreiche Milchalternativen, die außer Hafermilch in Frage kommen.

Falls du nicht unter einer Glutenunverträglichkeit, Glutensensitivität oder Allergie leidest, dich aber allgemein wiederkehrende Durchfälle, Bauchschmerzen und Blähungen belasten, könnte ein Reizdarmsyndrom als Ursache in Frage kommen. Hier findest du Informationen über das Reizdarmsyndrom. Wenn dich dein gereizter Darm nicht zur Ruhe kommen lässt, kann dir die Low FODMAP Diät vielleicht helfen.

Du kannst übrigens auch eine Unverträglichkeit gegen Kokosmilch entwickeln. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel.

Hafermilch-Unverträglichkeit – was tun?

Hafer ist im Allgemeinen ein gesundes Lebensmittel, da das Getreide viele Ballaststoffe, gesunde Fette und Proteine enthält. In sehr seltenen Fällen löst Getreide Symptome wie Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall oder Übelkeit aus.

Die Ursachen dafür könnten eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie), eine Glutensensitivität  oder eine Allergie sein. Eine Glutenunverträglichkeit oder Glutensensitivität sind aber nur wahrscheinlich, wenn du auch auf andere Getreidearten wie Roggen, Weizen, Gerste und Dinkel mit ähnlichen Symptomen reagierst.

Bei einer Allergie kommen häufig noch andere Symptome wie Juckreiz oder Schwellungen im Mund, Schnupfen oder Atemnot hinzu. Wenn du unter den genannten Symptomen leidest, solltest du zum Arzt gehen und deine Beschwerden abklären lassen. Denn ohne eine Diagnose Getreide vom Speiseplan zu streichen, ergibt keinen Sinn. Den Speiseplan leichtfertig einzuschränken, kann deiner Gesundheit schaden.

Musst du aber auf Hafermilch verzichten, gibt es viele Alternativen: Kuh- oder Ziegenmilch, Mandelmilch, Cashewmilch oder Kokosmilch zum Beispiel.


Medizinisch geprüft durch
Dr. rer. nat. Dinah Murad
Dr. Dinah Murad fungiert als unabhängige medizinische Beraterin an der Schnittstelle von Wissenschaft und Marketing. Darmgesundheit ist für sie ein unterschätztes, aber überaus wichtiges Thema. Sie verantwortet die medizinische Prüfung aller Inhalte für unsere Leser.
Geschrieben von
Digestio Community Team 
Unser Digestio Community Team ist ein Netzwerk aus medizinischen RedakteurInnen, die unsere Inhalte durch wissenschaftlich fundierte Recherche sowie eigenen Erfahrungsberichten unterstützen.

Weiterlesen