Yoga bei psychosomatischen Bauchschmerzen: Frau meditiert nach dem Aufstehen auf dem Bett.

Psychosomatische Bauchschmerzen: Was tun, wenn der Bauch gestresst ist

Bauchschmerzen sind für die betroffenen Personen belastend. Besonders hilflos fühlt man sich oft, wenn für die Bauchschmerzen keine körperliche Ursache gefunden werden kann.

In diesem Artikel erfährst du,

  • Was das Wort „psychosomatisch” bedeutet
  • Welche Symptome bei psychosomatischen Bauchschmerzen auftreten
  • Wie sich psychosomatisches Bauchweh bei Kindern äußert
  • Welche Folgen unbehandelte psychosomatische Bauchschmerzen haben können
  • Was du bei psychosomatischen Bauchschmerzen tun solltest

Was sind psychosomatische Bauchschmerzen?

Ist die Ursache für deine Bauchschmerzen psychosomatisch bedingt, heißt das für dich in erster Linie, dass du im wahrsten Sinne des Wortes auf dein Bauchgefühl hören und einen Schritt kürzer treten solltest.

Lies weiter um zu erfahren, woran du erkennst, ob deine Bauchschmerzen psychosomatisch bedingt sind und wo die typischen Ursachen für psychosomatische Bauchschmerzen liegen. Außerdem verraten wir dir, was du tun kannst, um deine Beschwerden zu lindern und deinen gestressten Bauch zu beruhigen.

Medizinische Definition von „psychosomatisch”

Psychosomatische Störung ist der Oberbegriff für Erkrankungen, für die angenommen wird, dass Symptomatik, Krankheitsursache (Ätiologie), Aufrechterhaltung und Therapie der körperlichen Erkrankung durch psychische und körperliche (somatische) Faktoren geprägt werden. Für eine psychosomatische Störung werden in der Regel multidisziplinäre Diagnostik und Therapie als erforderlich angesehen.

Welche Ursachen haben psychosomatische Bauchschmerzen?

Die Ursachen für psychosomatische Beschwerden liegen, wie der Name bereits verrät, in der Psyche. Auslöser sind in den meisten Fällen Stress und Überforderung, doch auch Angst, Trauer, Liebeskummer und andere seelische Konflikte kommen als Ursache für psychosomatische Bauchschmerzen in Frage. Vielleicht gehörst du auch zu den Personen, bei denen Nervosität oder Stress – etwa vor einer wichtigen Prüfung, vor einem Vorstellungsgespräch oder einem ersten Date – ausreicht, um den körperlichen Schmerz im Bauch auslösen.

Sind psychosomatische Bauchschmerzen eine Krankheit?

Bauchschmerzen selbst sind keine Krankheit, sondern ein Symptom. Die Symptome können Zeichen für eine Krankheit sein, zum Beispiel für eine psychosomatische Erkrankung. Der Reizmagen, in Fachkreisen funktionelle Dyspepsie genannt, kann unter anderem auch psychosomatischen Ursprungs sein und Bauchschmerzen auslösen. Zu den weiteren Symptomen eines Reizmagens zählen unter anderem Sodbrennen, saures Aufstoßen, Übelkeit und Appetitlosigkeit.

Die Diagnose stellt ein Arzt erst dann, wenn körperliche Ursachen für deine Beschwerden vollständig ausgeschlossen werden können und die Erkrankung rein funktionell ist. Reizmagen, bzw. fachsprachlich die funktionelle Dyspepsie, ist nicht die einzige mögliche Ursache für psychosomatische Bauchschmerzen. Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen können Bauchschmerzen auslösen. In vielen Fällen ist vorübergehender Stress die Ursache für einen schmerzenden Bauch – und den haben wir schließlich alle einmal. Bei länger anhaltenden Bauchschmerzen solltest du allerdings einen Arzt aufsuchen, der dich untersucht und abklärt, warum dein Bauch sich so gestresst fühlt.

Sind psychosomatische Bauchschmerzen gefährlich?

Psychosomatische Bauchschmerzen sind zwar für den Körper nicht gefährlich, aber können deine Lebensqualität stark beeinträchtigen und psychosoziale Folgen haben. Durch Einschränkungen wie häufige oder dauerhafte Schmerzen und Unwohlsein besteht mitunter das Risiko, an Depressionen oder sozialen Phobien zu erkranken, Freundschaften und sogar den Arbeitsplatz zu verlieren. Deshalb ist es wichtig, dass du dich auch dann behandeln lässt, auch wenn für deine Bauchschmerzen keine körperliche Ursache gefunden werden kann.

Woran erkennst Du, dass Deine Bauchschmerzen psychosomatisch sind?

Typisch für psychosomatisch verursachte Bauchschmerzen ist, dass sich noch weitere Symptome zeigen. Dazu zählen:

  • Schwindelgefühle
  • Übelkeit
  • Herzrasen
  • Konzentrationsstörungen
  • Ohrgeräusche
  • Depressionen
  • Angststörungen

Psychosomatische Bauchschmerzen von solchen zu unterscheiden, die durch eine falsche Ernährungsweise oder eine körperliche Erkrankung ausgelöst werden, ist für den Laien nicht ganz einfach. Es kann hilfreich sein, wenn du ein sogenanntes „Bauchweh-Tagebuch“ führst, in dem du festhältst, in welchen Situationen die Bauchschmerzen aufgetreten sind, was du gegessen hast und wie du dich im Allgemeinen fühlst.

Stehst du unter starkem Stress, hast gerade eine Trennung, den Verlust einer nahestehenden Person oder eines Arbeitsplatzes erlebt, oder musst dich einer Prüfungssituation stellen, ist die Ursache für deine Bauchschmerzen mit hoher Wahrscheinlichkeit psychosomatisch.

Je mehr Informationen du deinem Arzt über deinen Bauchschmerz und die begleitenden Umstände geben kannst, desto leichter wird es ihm fallen, die richtige Diagnose zu stellen und eine für Dich passende Behandlung einzuleiten.

Was hilft gegen psychosomatische Bauchschmerzen?

Psychosomatische Bauchschmerzen lassen sich gut in den Griff kriegen. Liegen für deine Bauchschmerzen keine körperlichen Ursachen vor, kannst du mit den folgenden Mitteln dagegen angehen:

Therapie

Sind deine Bauchschmerzen psychosomatisch bedingt, bietet sich eine Psychotherapie an, in der du lernst, mit seelischen Belastungen und Stress besser umzugehen. Beispielsweise kann dir ein Psychotherapeut in einer Verhaltenstherapie zeigen, wie du psychische Belastungen anders verarbeitest, sodass sie dein Leben nicht mehr einschränken. Durch einen achtsamen Umgang mit deinem Körper kannst du Stress besser kanalisieren, damit der Körper nicht mehr im Autopilotmodus direkt in die Schmerzen steuert.

Im Gespräch mit deinem Therapeuten ergründest du die Ursachen für deinen Stress und lernst, die Probleme, die dir Bauchschmerzen bereiten, zu lösen. Dazu kann beispielsweise gehören, dass du deine Lebensumstände änderst oder Entspannungstechniken erlernst, mit denen sich das Bauchweh aktiv bekämpfen lässt.

Entspannungsübungen & Sport

Übungen zur Entspannung und leichter Sport haben sich bei psychosomatisch bedingten Bauchschmerzen bewährt. Um dein Bauchweh zu lindern, kannst du dich zum Beispiel an Yoga oder Tai Chi versuchen.

Auch Meditation oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen können dir dabei helfen, dein psychosomatisches Bauchweh dauerhaft loszuwerden. Sie zielen in erster Linie darauf ab, deinen Stress zu lindern – der psychosomatisch bedingte Bauchschmerz verschwindet dann ganz von alleine.

Medikamente gegen psychosomatische Bauchschmerzen

Psychosomatische Bauchschmerzen kannst du auch mit Medikamenten behandeln. Der Wirkstoff Butylscopolaminiumbromid wirkt krampflösend auf deinen Bauch.

Butylscopolaminiumbromid hilft auch dann, wenn bei dir das Reizdarm- oder Reizmagen-Syndrom diagnostiziert wurde. Medikamente mit dem Wirkstoff Butylscopolaminiumbromid bekommst du rezeptfrei in Apotheken in Form von Dragees oder Zäpfchen. Medikamente bekämpfen nur die Symptome  nicht die Ursache. Dennoch kann der Einsatz sinnvoll sein, weil der Schmerz an sich einen weiteren Stressfaktor darstellt und deine Lebensqualität einschränken kann.

Hausmittel gegen psychosomatische Bauchschmerzen

Du kannst auch versuchen, psychosomatische Bauchschmerzen mit Hausmitteln zu bekämpfen. Dabei empfiehlt sich alles, was den Bauch schont und ihn entspannt.

Eine Wärmflasche auf dem Bauch, ein warmes Bad, eine sanfte Bauchmassage oder eine Tasse Kräuter- oder Ingwertee können dir dabei helfen, deinen angespannten Bauch zu beruhigen. Daneben solltest du darauf achten, ausreichend zu schlafen und weniger Alkohol oder fettige Speisen zu dir zu nehmen.

Psychosomatische Bauchschmerzen bei Kindern

Auch Kinder können an Bauchschmerzen leiden, für die sich keine körperlichen Ursachen finden lassen. Sie sollten unbedingt behandelt werden, damit die Beschwerden nicht chronisch werden.

Besondere Ursachen

Auch Kindern kann Stress auf den Magen schlagen. Die Ursachen können beispielsweise in Überforderung in der Schule liegen, in innerem wie äußerem Leistungsdruck, in Angst vor Mitschülern, weil sie Mobbing ausgesetzt sind, oder auch in besonders strengen Lehrern.

Klagt dein Kind insbesondere morgens vor der Schule über Bauchweh, das verschwindet, wenn es zuhause bleiben darf, sind die Schmerzen mit hoher Wahrscheinlichkeit psychosomatisch bedingt.

Behandlung von psychosomatischen Bauchschmerzen bei Kindern

Wird dein Kind in der Schule gemobbt oder ist aufgrund von Leistungsdruck überfordert, solltest du zunächst das Gespräch mit deinem Kind und dann den Dialog mit seinen Lehrern suchen, um die bestehenden Probleme zu lösen. Werden die Ursachen für den Stress und die Schulangst deines Kindes beseitigt, verschwinden oftmals auch die Bauchschmerzen von ganz alleine.

Aufmerksamkeit, Zuwendung und Liebe signalisieren dem Kind, dass seine Beschwerden ernst genommen und Lösungen gesucht werden. Außerdem kannst du mit deinem Kind gemeinsam Entspannungsübungen machen, um die Beschwerden zu bekämpfen. Auch eine Tasse heißer Tee, eine Wärmflasche oder Medikamente mit dem Wirkstoff Butylscopolaminiumbromid können bei Kindern zum Einsatz kommen.

Psychosomatische Bauchschmerzen sollten bei Kindern unbedingt behandelt werden. In jedem Fall solltest du ein offenes Ohr für dein Kind haben und ihm zuhören, wenn es über Probleme in der Schule oder generelle Ängste spricht.

Halten die Probleme dauerhaft an, solltest du einen Besuch bei einem Kinder- und Jugendtherapeuten in Erwägung ziehen. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann deinem Kind dabei helfen, die Ursachen für seine Bauchschmerzen zu ergründen und Bewältigungsmechanismen für den zugrundeliegenden Stress zu entwickeln.

Auch Eltern, Freunde und Lehrer können ihren Beitrag zur Stärkung der Bewältigungsmechanismen eines Kindes leisten.

Folgen bei Nicht-Behandlung

Bei Kindern kann die Nicht-Behandlung psychosomatischer Bauchschmerzen und ihrer Ursachen besonders gravierende Folgen haben. Wird das Bauchweh nicht beachtet und die zugrunde liegenden Probleme nicht angemessen behandelt, können sich soziale Phobien, Angststörungen und Depressionen einstellen. Je länger sich der Mechanismus der Stressverarbeitung in Bauchschmerzen verfestigt, desto schwieriger wird es, diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Zusammenfassung & Fazit

Psychosomatische Bauchschmerzen sind zwar nicht gefährlich, aber genauso real wie Bauchschmerzen, die durch körperliche Erkrankungen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten ausgelöst werden.

Aus diesem Grund sollten sie auch behandelt und nicht einfach ignoriert werden. Eine Abklärung von Symptomen und Ursachen der Bauchschmerzen sollte ernst genommen und aktiv vorangetrieben werden.

Ein Besuch beim Arzt ist in jedem Fall angeraten, um körperliche Ursachen für die Bauchschmerzen vollständig ausschließen zu können. Entspannungsübungen, Medikamente oder eine Psychotherapie können nicht nur vorübergehende Linderung verschaffen, sondern dir dabei helfen, die psychosomatisch bedingten Bauchschmerzen loszuwerden.

Bei Kindern sollte schnell gehandelt werden, wenn sie über Bauchweh klagen, für das sich keine körperlichen oder ernährungsbedingten Ursachen finden lassen, um psychische Folgeerkrankungen oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes zu vermeiden.

Ein Besuch beim Kinderarzt oder Kinder- und Jugendpsychologen ist dann empfehlenswert, wenn die Bauchschmerzen nicht nur vereinzelt auftreten, sondern drohen, das Sozialleben und die schulischen Leistungen deines Kindes ernsthaft zu beeinträchtigen.

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