Akupunktur bei einer Frau

TCM bei Gastritis: Wie sinnvoll sind Akupunktur und Co.?

Du leidest an Gastritis, aber statt einfach nur eine Tablette zu nehmen, möchtest du auch die natürlichen Heilkräfte deines Körpers stärken und fragst dich wie? Immer mehr Menschen unterstützen ihren Heilungsprozess mit natürlichen Heilmethoden wie der Traditionellen Chinesischen Medizin und auch die Wissenschaft beginnt, ihre Wirksamkeit zu untersuchen.

In diesem Artikel erfährst du:

  • was Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist.
  • welche Methoden die TCM beinhaltet.
  • wann TCM bei Gastritis helfen kann.
  • wie TCM bei chronischer Gastritis helfen kann.

Was ist TCM eigentlich und wie kann sie dem Magen helfen?

Als ganzheitliche Methode ist es Ziel der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die Harmonie zwischen Körper und Seele herzustellen, die sich gegenseitig beeinflussen. Zu den fünf Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin, die seit tausenden von Jahren in China praktiziert wird, zählen Ernährung, Massagen (Tunia), Koordinationstraining (Qigong und Tai-Chi) sowie Kräutertherapien (natürliche Arzneimittel).

Die wohl bekannteste Säule der TCM ist jedoch die Akupunktur, die häufig mit Moxibustion kombiniert wird. Moxibustion bedeutet die Erwärmung der Akupunkturnadeln durch das Verbrennen von Beifuß nah an der Haut. Die Stimulation der Akupunkturpunkte durch Nadeln und Wärme soll die Heilkräfte des Körpers aktivieren. Insgesamt gibt es über 400 Akupunkturpunkte, die in den Meridianen – Energieleitbahnen – des Körpers sitzen und die je nach Krankheitsbild stimuliert werden.

Laut TCM verbinden die Meridiane alle Organe und Körperregionen sowie Körper und Seele. Ist der Energiefluss durch die Meridiane gewährleistet, sind wir gesund, kommt es infolge von ungesunder Lebensweise oder äußeren Einflüssen zu Blockaden in den Meridianen, werden wir krank.

TCM gegen Magenschleimhautentzündung, Akupunktur bei einer FrauAkupunktur ist wohl die bekannteste Methode der traditionellen chinesischen Medizin.

Die Wirksamkeit von TCM ist immer noch stark umstritten. Die Ergebnisse von Studien, die nach guten klinischen Standards durchgeführt wurden, liefern sehr widersprüchliche Ergebnisse zur Wirksamkeit. Besonders unbefriedigend ist, dass auch bei positiv verlaufenden Studien der Wirkungsmechanismus der einzelnen Methode noch unklar ist.

Während die evidenzbasierte Medizin Phänomene und Symptome isoliert betrachtet und quantitative Werte misst, steht für die ganzheitliche Betrachtung der TCM von Gesundheit das Qi im Mittelpunkt. Das Qi – die Lebensenergie – verläuft nach der TCM-Lehre in den Meridianen. Fließt es ungehindert, sind wir gesund. Ist es blockiert, erkranken wir. Dabei ist zu beachten, dass selbst die Existenz der der TCM postulierten Meridiane nicht nachgewiesen ist.

TCM gegen Gastritis: Ernährung und Behandlung

Erfolge kann die TCM vor allem als Unterstützung bei der Behandlung chronischer Erkrankungen wie chronischer Gastritis erzielen.Eine Gastritis ist eine Entzündung der Magenschleimhaut, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Die häufigste Ursache sind Helicobacter pylori Bakterien, die für gut 80 Prozent aller Fälle verantwortlich sind. Aber auch Stress Link Magenschleimhaut durch Stress: Was tun bei psychischer Gastritis, eine Autoimmunreaktion oder die dauerhafte Einnahme nicht-steroidaler entzündungshemmender Medikamente wie Ibuprofen können eine Gastritis hervorrufen.

Ist unsere Magenschleimhaut angegriffen, wird unser Magen für die sich im Magen befindende Magensäure anfällig. Bei einer akuten Gastritis kommt es zu kurzzeitig auftretenden starken Symptomen, z.B. Magenschmerz, Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit, bei einer chronischen Magenschleimhautentzündung zu meist langsam auftretenden langfristigen Symptomen.

Die TCM versteht Magen-Darm-Erkrankungen als eine Störung der „Mitte“, in der die Aufnahme von körperfremden Stoffen wie Nahrungsmitteln in den Körper stattfindet. Verantwortlich für Störungen der Mitte sind Blockaden im „Milz- Qi“, „Leber Qi“ und „Magen Qi“, den Dickdarm- und Magenmeridianen, weshalb die Energieleitbahnen dieser Organe im Falle einer Erkrankung akupunktiert werden. Ziel der TCM ist es, die Peristaltik –also die Bewegung - von Magen und Darm zu normalisieren und Qi-Blockaden zu lösen, wodurch die natürlichen Heilkräfte des Körpers, das Qi, freigesetzt werden.

Auch die Ernährung bei Magenschleimhautentzündungen spielt in der TCM eine große Rolle bei der Behandlung von Gastritis.Allgemein gilt in der TCM der Spruch: Der Magen liebt es warm, saftig und regelmäßig“, weshalb die TCM vor allem bei Gastritis den Genuss von warmen statt kalten Speisen empfiehlt.

Mit saftig meint sie Gemüsesuppen, Kompotte, Eintöpfe mit viel Gemüse, was als leicht verdaulich gilt. Sie sieht den Magen als „Gewohnheitstier“, dem regelmäßiges Essen zu gewohnten Uhrzeiten hilft, seinen Rhythmus zu unterstützen. Wie auch die westliche Medizin rät die TCM im Falle einer Magenschleimhautentzündung dazu, viel Gemüse reich an Antioxidantien und Ballaststoffen zu verzehren.

Traditionelle chinesische Medizin bei Gastritis, Löffel in GemüsesuppeDie traditionelle chinesische Medizin empfiehlt saftige Speisen wie Gemüsesuppen bei einer Magenschleimhautentzündung.

Verschiedene Studien untersuchen mittlerweile die Wirksamkeit von Akupunktur bei Gastritis. Eine chinesische Studie aus dem Jahr 2012 verglich die Wirksamkeit von Akupunktur und Ranitidin, einem H2-Blocker, bei der Behandlung von Magenschleimhautentzündung. Für ihre Untersuchung unterteilten die Wissenschaftler die Erkrankten in zwei Gruppen. Eine Gruppe erhielt als Standardmedikament zweimal täglich 150mg Ranitidin. Die zweite Gruppe erhielt über 20 Tage einmal täglich eine 30-minütige Akupunkturbehandlung mit Moxibustion.

Nach Analyse der Ergebnisse schlossen die Wissenschaftler sogar auf eine bessere Wirksamkeit von Akupunktur als von Ranitidin, auch weil bei Akupunktur keine Nebenwirkungen bekannt sind. Die Wissenschaftler führten die gute Wirksamkeit von Akupunktur bei chronischer Gastritis auf die multifunktionale Wirkweise der TCM zurück, die sowohl die Symptome beseitigt als auch die zugrundeliegenden Disharmonien im menschlichen System: Die Blockaden des Leber-, Magen- und Milz-Qi in den Meridianen. Auch fördert Akupunktur die Ausscheidung von Toxinen aus Blut und Zellen, wodurch sie den ganzen Körper stärkt.

Unabhängig von der beschriebenen Studie sehen die Wissenschaftler einen weiteren Vorteil der TCM darin, dass die natürliche Heilmethode keine synthetischen Antibiotika verwendet. Gut 80% aller chronischen Magenschleimhautentzündungen gehen auf eine Infektion mit Helicobacter pylori Bakterien zurück, die in der Regel mit Antibiotika behandelt werden. Ein Problem ist jedoch die steigende Zahl antibiotikaresistenter Keime.

Sie schlussfolgern: Die TCM kann das Immunsystem und die Abwehrkräfte stärken und das Magenmilieu langfristig so verändern, dass Bakterien sich nicht vermehren können. Nach einer Infektion hilft TCM, das allgemeine Wohlbefinden zu stärken. Dennoch weisen sie auch darauf hin, dass die Verbindung von moderner Medizin und TCM der sinnvollste Weg zu sein scheint.

Eine weitere Analyse von insgesamt 16 Studien mit 1673 Patienten zeigte ebenfalls große Behandlungserfolge der TCM bei Gastritis. Die Wissenschaftler merkten jedoch an, dass die methodologische Qualität der Studien nicht immer zu 100% gegeben war und weitere Studien nötig sind. Sie schlussfolgerten jedoch, dass die TCM als begleitende Therapie eine wertvolle und wirkungsvolle Ergänzung ist bei der Behandlung von chronischer Gastritis. Vor allem Akupunktur, Moxibustion und die Einnahme von Kräutern können Symptome lindern und die Lebensqualität erhöhen.


Traditionelle chinesische Medizin bei Gastritis, LöwenzahnteeLöwenzahntee ist ein typischen Hausmittel in der traditionellen chinesischen Medizin.

Im Detail begründen die Wissenschaftler die Wirksamkeit von TCM bei Gastritis mit drei Punkten:

  1. TCM kann Helicobacter pylori Bakterien reduzieren: Durch die Verabreichung von antimikrobiellen Kräutern wie Löwenzahn werden Helicobacter pylori Bakterien immerhin im Laborversuch getötet und das unspezifische Immunsystem gestärkt. Ob allerdings tatsächlich Bakterien im Magen durch die Kräuterbestandteile abgetötet werden können, wurde klinisch nicht untersucht. Untersuchungen zeigten, dass vor allem Löwenzahn die Durchlässigkeit von Kapillaren mindert, was Verdauungsstörungen und Magenödeme lindern könnte.
  2. TCM stärkt Körperabwehrkräfte:
    Über 50% der Weltbevölkerung trägt Helicobacter pylori Bakterien in sich, jedoch nur ein kleiner Teil erkrankt an ihnen. Westliche Medizin führt dies auf die individuelle Beschaffenheit der Magen-Darmflora zurück, auf Umwelteinflüsse oder darauf, ob sich eine mögliche Entzündung im Anfangs- oder Fortgeschrittenenstadium befindet. Die TCM betrachtet hingegen nicht nur den Magen, sondern den gesamten Körper. Ihr Ziel ist es nicht nur, die Bakterien zu töten, sondern die Immunabwehr des Körpers im Allgemeinen zu stärken. Auch hier arbeitet die TCM vor allem mit Kräutern und Akupunktur.
  3. TCM reguliert die Darmbeweglichkeit:
    Gastritis führt oft zu einer verlangsamten Magen-Darmtätigkeit, was zu Verdauungsstörungen wie Blähungen, Völlegefühl und Verstopfung führt. Um die Darmtätigkeit zu erhöhen, verwendet die TCM neben Akupunktur ebenfalls Kräuter und andere Hausmittel Link: Hausmittel bei Magenschleimhautentzündung: Welche können helfen? wie Löwenzahn und Tangerin .

TCM bei Gastritis: Wie sinnvoll sind Akupunktur und Co.?

Anders als die Schulmedizin geht die TCM von einem ganzheitlichen Verständnis von Körper und Geist aus. Ziel der TCM ist es, das Immunsystem als Ganzes zu stärken und nicht nach einzelnen Ursachen zu suchen.

Dagegen sucht die Schulmedizin gezielt nach Ursachen und versucht so, die Krankheit zu bekämpfen, zum Beispiel mit der Antibotikabehandlung von Helicobacter pylori. Ist eine ursächliche Therapie nicht möglich, bietet die Schulmedizin darüber hinaus die gezielte Behandlung von Symptomen.

Einige Patienten fühlen sich durch den ganzheitlichen Ansatz der TCM besser aufgehoben und verstanden. Obwohl die Wirkweise der TCM noch nicht genau geklärt ist, findet sie immer mehr Anhänger. Ideal wäre eine Zusammenarbeit von Fachärzten beider Richtungen.

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