Detoxmythen: Grüne Lebensmittel und ein

Körper entgiften: Was bringt Detox wirklich?

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Viele reden von Detox und der vermeintlichen Wirkung auf den Körper. Doch du fühlst dich verunsichert, ob und wie das deiner Gesundheit helfen soll? Diese Unsicherheit ist verständlich, daher nehmen wir die drei größten Mythen rund um Detox genau unter die Lupe und zeigen dir, was dahintersteckt.

In diesem Artikel erfährst du:

  • Was Detox bedeuten soll
  • Was eine Darmsanierung ist und wann diese sinnvoll ist
  • Was hinter einer Übersäuerung steckt
  • Was Schlacken sind und was diese nicht sind
  • Was du noch lesen kannst, um weitere Infos zu bekommen

Das steckt hinter dem Begriff Detox

Der Frühling steht vor der Tür und schon geht es los: Viele Medien greifen das Thema Detox auf und berichten über vermeintliche Vorteile für die Gesundheit. Dabei nutzen sie den Begriff Detox als Synonym für Entgiften oder Entschlacken. Detox umfasst verschiedene sogenannte „Kuren“, die unerwünschte Stoffe im Körper binden sollen, sodass diese anschließend ausgeschieden werden.

Wer jetzt die Stirn runzelt und sich denkt, dass der menschliche Körper doch bereits einen perfekten Entgiftungsapparat hat, hat Recht: Wir besitzen mit Leber und Nieren zwei Organe, die kontinuierlich Abfallprodukte und schädliche Stoffe aus dem Körper ausscheiden. Dieses System funktioniert bei gesunden Menschen einwandfrei.

Doch Fans von Detox berufen sich auf die Menge an Gift: Im heutigen Alltag gäbe es so viele Schadstoffe, die wir bewusst und unbewusst zu uns nehmen, dass der Körper allein nicht mehr hinterherkommt, diese auszuscheiden. Dazu zählen etwa Zusatzstoffe in Lebensmitteln, wie Zucker und Fett, aber auch Alkohol und Nikotin, Umweltgifte sowie Stress. Daher müsse man dem Körper aktiv helfen, indem man regelmäßig Detox-Kuren durchführt.

Diese Kuren sind einfach umzusetzen und scheinen gesund zu sein, denn sie drehen sich vor allem um eine gesunde Ernährung – oder das, was Detox-Fans als solche ansehen –, Sport und Übungen zum Entspannen. Daher klingt Detox auf den ersten Blick wohltuend und versucht durch medizinisch anmutende Begriffe, wie Kuren, Entgiften und Sanieren, sich einen glaubhaften Anstrich zu geben.

Aber wer sich die einzelnen „Kuren“ und Begriffe näher anschaut, stößt schnell auf die ersten Mythen. Drei der größten Mythen rund um Detox klären wir jetzt auf.

Mythos 1: Der Darm muss regelmäßig gereinigt werden

Der Darm ist ein überaus wichtiges Organ und an sich ist es positiv, dass sich Menschen Gedanken darum machen, was diesem Organ gut tut und was nicht. Leider gibt es hierbei auch viele Missverständnisse. Eines davon ist der Mythos Darmsanierung. Anhänger von Detox sind der Ansicht, dass die bereits genannten schädlichen Stoffe die Darmflora durcheinanderbringen und Verdauungsbeschwerden, wie Blähungen oder Durchfall, verursachen. Um den Darm zu stärken, empfehlen Detox-Anhänger daher eine sogenannte Darmsanierung oder eine Darmreinigung mit Abführmitteln und danach einige Aufbaumittelchen.

Auf den ersten Blick klingt das alles leicht nachzuvollziehen, doch sobald man sich mit dem Darm aus medizinischer Sicht auseinandersetzt, merkt man sofort, dass vieles am Konzept des Detoxings medizinisch nicht belegbar ist.

Achtung: Wir reden hier von gesunden Menschen, die ihre Gesundheit mit solchen Entgiftungen stärken wollen. Es gibt natürlich medizinische Gründe, die eine Entgiftung unter ärztlicher Aufsicht nötig machen. Doch diese Fälle müssen gesondert betrachtet werden und haben nichts mit Detox im Allgemeinen zu tun. Wer sich sorgt, dass sein Darm eventuell nicht richtig arbeitet, sollte sich an seinen Hausarzt wenden und/oder eine Überweisung zum Facharzt anfragen.

Wer von Darmreinigung spricht, aber Heilfasten meint, wirft zwei völlig unterschiedliche Begriffe durcheinander. Zunächst einmal zum Begriff Darmreinigung: Die Darmreinigung ist mit einer gründlichen Abführprozedur bereits erledigt. Das wird beispielsweise vor einer geplanten Magen- und Darmspiegelung genutzt. Eine Darmreinigung lässt sich nur über eine gründliche Entleerung des Darms etwa durch Abführmittel in Kombination mit Verzicht auf jegliche Nahrung erreichen. Dabei wird so lange ausschließlich Wasser getrunken und gleichzeitig abgeführt, bis der Verdauungstrakt wirklich frei von jeglichen Nahrungsbestandteilen ist. Das ist jedoch keine Kur, sondern sollte nur umgesetzt werden, wenn es erforderlich ist, wie etwa vor einer Darmspiegelung.

Mann isst Suppe und GemüsebrüheBeim Heilfasten soll der Darm gereinigt werden.

Heilfasten reinigt in dem Sinne nicht den Darm - insbesondere, wenn weiterhin Fruchtsäfte oder Gemüsebrühe getrunken werden. Heilfasten ist eine nicht-evidenzbasierte Methode, die gern in der Alternativmedizin angewendet wird.

Wenn du gerne noch mehr zum Thema Darmsanierung und Darmflora wissen möchtest, empfehlen wir dir unseren Blogbeitrag Darmsanierung nach Durchfall: Echter Booster für deine Darmflora?

Mythos 2: Der Körper muss entsäuert werden

Wer bei Google die Frage „Muss ich meinen Körper entsäuern?“ eingibt, erhält um die 278.000 Ergebnisse – und viele weitere Fragen, die alle in die gleiche Richtung gehen:

  • Was kann ich essen bei Übersäuerung?
  • Was übersäuert den Körper?
  • Was sind die Symptome einer Übersäuerung?

All diese Fragen müssen nicht beantwortet, werden, denn bereits auf „Muss ich einen Körper entsäuern?“ antworten wir ganz direkt mit Nein. Niemand muss seinen Körper entsäuern und dementsprechend weder auf Lebensmittel achten, die diese auslösen, noch Symptome recherchieren. Hinter dem Gedanken der Übersäuerung steckt ein wahrer Kern, der mit vielen Mythen vermischt wird:

Säure-Basen-Haushalt

Unter diesem Begriff fasst man medizinisch die physiologischen Regelmechanismen zusammen, die zusammen den Zweck verfolgen, die Protonenkonzentration und schlussendlich den pH-Wert konstant zu halten. Abweichungen von dem Idealwert können durch gesundheitliche Störungen, wie etwa Diabetes, einer Nierensuffizienz oder auch durch chronisches Erbrechen, verursacht werden. Solche Störungen werden etwa als respiratorische Alkalose/ Azidose oder als metabolische Alkalose/ Azidose bezeichnet.

pH-Wert

Der menschliche Körper verfügt über mehrere aufeinander abgestimmte Puffersysteme, die im Blut und im Gewebe dafür sorgen, dass der erforderliche physiologische pH-Wert erhalten bleibt. Dabei schwankt dieser Wert von Ort zu Ort. Das Blut hat beispielsweise einen pH-Wert von durchschnittlich 7,4, Urin dagegen von durchschnittlich 6, wobei die Werte von fünf bis neun liegen. Daher ist es nicht möglich, den gesamten pH-Wert des Körpers zu messen.

Azidosen

Als Azidosen bezeichnet man eine Störung des Säure-Basen-Haushaltes bei Menschen und Tieren. Diese entstehen durch Krankheiten oder auch Vergiftungen. Azidosen entstehen nicht durch falsche Ernährung, und auch die Einordnung von Lebensmitteln in basenreich und übersäuernd ist medizinisch nicht belegt. Häufig passiert es auch, dass diese Einordnung willkürlich getroffen wird und sich einzelne Quellen hierbei widersprechen.

Detox Wasser mit Zitrone und KräuternEs ist tatsächlich nicht nötig, Lebensmittel zu vermeiden, die angeblich eine Übersäuerung auslösen.

Mythos 3: Schlacken lagern sich im Körper ab

Wer sich mit Detox auseinandersetzt, wird einen Begriff sehr häufig lesen oder hören, die sogenannten Schlacken. Manche kennen das Wort aus Bereichen wie etwa Verbrennung als Bezeichnung für den Verbrennungsrückstand oder als Teil der vulkanischen Lava.

Im Zusammenhang mit Detox soll das Wort Abbauprodukte des Stoffwechsels im Körper bezeichnen. Daher bezeichnet man Detox auch als Entschlacken, da man sich hier von den vermeintlichen Schlacken befreit. Als Entschlackung wird im Alltag auch manchmal die Dialyse bezeichnet, also das Verfahren zur Reinigung des Blutes. Das hat natürlich nichts mit der Entschlackung im Sinne von Detox zu tun.

An dieser Stelle müssen wir gar nicht allzu tief einsteigen, denn diese Schlacken sind ein Mythos. Es gibt schlicht keine medizinisch anerkannten Belege für das Vorkommen der Schlacken im menschlichen Körper. Wir haben keine interne Müllhalde, auf der solche Schlacken abgelagert werden und die wir dann durch das Entschlacken aus dem Körper ausscheiden müssen.

Aber Achtung: Es gibt medizinische Notfälle, wie etwa akute oder chronische Vergiftungen, bei denen man über Schadstoffe, wie etwa schädigende Moleküle, im Körper redet und die mit Gegengiften oder Komplexbildnern gebunden werden. Das sind jedoch Abläufe, die immer unter medizinischer Aufsicht stattfinden und keinesfalls mit Detox verwechselt werden sollten.

Zwei Frauen entspannen in der SaunaDetox und Entgiften wird oft als Kur angeboten.

 

Detox-Mythen im Check

Darmsanierung, Übersäuerung, Schlacken – drei häufige Begriffe, die im Zusammenhang mit Detox genannt werden. Mit dem Versprechen von der Stärkung der Gesundheit werden viele dazu verleitet, das einfach einmal auszuprobieren. Schließlich wollen wir alle gesund sein, und Detox klingt auf den ersten Blick glaubwürdig. Außerdem spielt es mit Methoden, die jeder einfach anwenden kann und die allgemein als gesund angesehen werden: Gesunde Ernährung, Sport, Entspannen.

Wie du deinen Darm richtig fütterst, verrät dir übrigens die Darmexpertin Dr. Sarah Schwitalla im Interview über darmgesunde Ernährung.

Doch wer sich auf die Spuren dieser Mythen begibt, kann diese Begriffe schnell enttarnen: als drei der größten Mythen von Detox. Doch grundsätzlich ist es absolut richtig, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern. Dazu sind die drei Bereiche Ernährung, Sport und Entspannung gut geeignet. Nur die Umsetzung sollte auf evidenzbasierten Methoden basieren, sprich medizinisch anerkannt und sinnvoll sein.

Wenn du dich jetzt intensiv mit den Feldern Ernährung, Sport und Entspannung  beschäftigen möchtest, kannst du direkt ein paar Beiträge auf unserem Blog lesen. Hier findest du gezielte Ernährungstipps, wie etwa Rezepte rund um Soulfood, und Übungen zum Entspannen, wie beispielweise Yoga. Wir wünschen dir viel Spaß beim Stöbern und Ausprobieren.


Medizinisch geprüft durch
Dr. rer. nat. Dinah Murad
Dr. Dinah Murad fungiert als unabhängige medizinische Beraterin an der Schnittstelle von Wissenschaft und Marketing. Darmgesundheit ist für sie ein unterschätztes, aber überaus wichtiges Thema. Sie verantwortet die medizinische Prüfung aller Inhalte für unsere Leser.
Geschrieben von
Digestio Community Team 
Unser Digestio Community Team ist ein Netzwerk aus medizinischen RedakteurInnen, die unsere Inhalte durch wissenschaftlich fundierte Recherche sowie eigenen Erfahrungsberichten unterstützen.

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