Gegen Reizdarm, Frau schaut entspannt in ihre Teetasse.

Von Reizdarm betroffen: wir zeigen dir Therapie- und Behandlungsoptionen

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Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall oder Blähungen: das Reizdarmsyndrom kann eine Vielzahl von Beschwerden auslösen und ist nicht nur körperlich, sondern auch psychisch oft eine Belastung für die Betroffenen. Zwar gibt es bei einem Reizdarm aufgrund der vielen verschiedenen möglichen Ursachen keine einheitliche Therapieform, doch kannst du in den meisten Fällen selbst etwas dazu beitragen, dass die Symptome gelindert werden.

In diesem Artikel erfährst du:

  • Was das Reizdarmsyndrom ist
  • Welche Symptome bei einem Reizdarm auftreten
  • Welche Lebensmittel du bei einem Reizdarm zu dir nehmen kannst
  • Welche Hausmittel und Medikamente gegen einen Reizdarm helfen können

Wie kommt es zu einem Reizdarm und was hilft schnell?

Das Reizdarmsyndrom, kurz RDS, gilt als eigenständige Erkrankung des Verdauungstraktes. Zwar ist die Lebenserwartung durch die Erkrankung nicht verkürzt, die Lebensqualität der betroffenen Personen ist teilweise aber erheblich eingeschränkt. Die genauen Ursachen für einen Reizdarm sind nach wie vor unklar, doch spielen vermutlich verschiedene Faktoren wie die Ernährung, beruflicher wie privater Stress oder auch eine familiäre Veranlagung bei der Entstehung des RDS eine Rolle.

In vielen Fällen wird davon ausgegangen, dass Reizdarm-Beschwerden psychosomatisch bedingt sind. Psychische Belastungen zeigen sich über eine Somatisierung im Magen-Darm-System – das heißt, der Körper reagiert auf Stress oder Konfliktsituationen mit Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit. Für vom Reizdarmsyndrom betroffene Menschen empfiehlt es sich deshalb, ein sogenanntes Symptomtagebuch zu führen, in dem nicht nur die aufgenommene Nahrung, sondern auch die psychischen Begleitumstände (wie in etwa gedrückte Stimmung und familiäre Konflikte oder Stress im Beruf) und die entsprechenden körperlichen Symptome schriftlich festgehalten werden. Dies erleichtert dem behandelnden Arzt die korrekte Diagnosestellung und kann zu schnelleren Behandlungserfolgen führen.

Zu den auslösenden Ereignissen kann auch eine bakterielle oder virale Magen-Darm-Erkrankung wie zum Beispiel eine Gastroenteritis (umgangssprachlich meist als Magen-Darm-Grippe bezeichnet) gehören. Dabei bleiben die Symptome selbst nach Ausheilen der vorangegangenen Erkrankung bestehen. In diesem Fall spricht man von einem postinfektiösem Reizdarmsyndrom.

Es handelt sich um eine sogenannte multifaktorielle Erkrankung, was bedeutet, dass mehr als nur eine Ursache für die Entstehung der Erkrankung verantwortlich ist. Das legen aktuelle Studien und aussagekräftige Forschung zum Thema Reizdarmsyndrom nahe. Bei Verdacht auf RDS ist es in jedem Fall sinnvoll, ein Reizdarmtagebuch zu führen und den Schmerzverlauf sowie andere auftretende Symptome zu dokumentieren.

Für manche Menschen ist das Leben mit Reizdarmsyndrom mit erheblichen Einschränkungen verbunden, zum Beispiel im Bereich des Berufs, der Familie, der Sexualität oder bei der Freizeitgestaltung. Das Reizdarmsyndrom geht oft mit Depression, chronischem Stress, Angststörungen oder ähnlichem einher.

Gestresste Frau sitzt an ihrem Arbeitsplatz und starrt auf ihren Schreibtisch.Beruflicher Stress kann eine der Ursachen für einen Reizdarm sein.

Die folgenden Hauptbeschwerden gelten als typisch für das Reizdarmsyndrom:

  • Bauchschmerzen
  • Bauchkrämpfe
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Übelkeit
  • Vermehrter Stuhldrang

Daneben gibt es weitere körperliche und psychische Beschwerden, die einen Hinweis auf RDS geben können:

  • Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Nervosität
  • Unruhe
  • Reizbarkeit
  • Angszustände
  • depressive Verstimmungen
  • Ein- und Durchschlafprobleme
  • Konzentrationsstörungen

Im medizinischen Sinne spricht man von einem Reizdarm, wenn die folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Beschwerden wie Durchfall, Blähungen, Verstopfung und Bauchschmerzen halten länger als drei Monate an, wobei sich insbesondere Durchfall und Verstopfung auch häufig abwechseln können.
  • Die Beschwerden sind so belastend, dass ein Gang zum Arzt notwendig ist.
  • Andere medizinische Ursachen für die Magen-Darm-Beschwerden wurden nach einer ausführlichen Untersuchung von einem Arzt ausgeschlossen.

Vor allem Frauen leiden deutlich häufiger unter dem Reizdarmsyndrom als Männer. Kein Wunder also, dass viele Menschen sich danach sehnen, ihrem Leidensdruck ein Ende zu bereiten und einfach wieder unbeschwert den Alltag genießen zu können. Aber gibt es so etwas wie Soforthilfe bei Reizdarm überhaupt?

Reizdarm ist eine Erkrankung, die sich zwar spontan bessern und sogar komplett verschwinden kann, allerdings gibt es nicht die eine Therapiemöglichkeit, die dich schnell von allen Leiden, die mit dem Reizdarmsyndrom einher gehen, befreien wird. Verschiedene Hausmittel, Medikamente, eine Ernährungsumstellung oder die regelmäßige Anwendung von Entspannungsverfahren kann jedoch Abhilfe verschaffen und deine Symptome lindern.

Welche Lebensmittel und Hausmittel helfen bei Reizdarm?

Grundsätzlich gibt es grob vier Behandlungskategorien: Hausmittel gegen Reizdarm, medikamentöse Behandlung, Ernährungsumstellung und psychosomatische Therapie. Hausmittel sind Mittel, die du selber ausprobieren kannst, während eine medikamentöse Behandlung oder psychosomatische Therapie mit einem Arzt abgesprochen werden sollte.

Trotzdem gilt auch bei Hausmitteln: Symptome genau beobachten und bei Bedarf eine Expertenmeinung einholen. Die beste Therapiemöglichkeit kannst du nur durch eine korrekte Diagnose erhalten. Eine Monotherapie, also die Behandlung der Erkrankung mit nur einem einzigen Heilmittel, ist beim RDS meist nicht erfolgreich. Vielmehr ist es sinnvoll, verschiedene Therapieformen wie in etwa eine Ernährungsumstellung, eine medikamentöse Behandlung und eine kognitive Verhaltenstherapie miteinander zu kombinieren.

Die folgenden Hausmittel können dir helfen, die Symptome des Reizdarmsyndroms zu reduzieren und Beschwerden sogar gänzlich loszuwerden:

Tee

Zu den wichtigsten Hausmitteln bei Beschwerden im Magen-Darm-Bereich zählt Tee. Doch nicht jeder Tee eignet sich, wenn du unter dem Reizdarmsyndrom leidest. Kamillentee hat eine beruhigende Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt und eignet sich deshalb besonders bei Bauchschmerzen. 

Auch Kümmel- oder Anis-Tee können bei RDS-Beschwerden zum Einsatz kommen. Sie können beispielsweise dabei behilflich sein, Blähungen, Verstopfung oder Bauchschmerzen loszuwerden und lassen sich auch hervorragend miteinander kombinieren. Mehr zum Thema findest du in unserem Artikel Tee gegen Bauchschmerzen.

Wärme

Eine Wärmflasche oder ein aufgewärmtes Körnerkissen können dabei behilflich sein, deine Bauchschmerzen zu lindern. Sie können dazu beitragen, dass dein Bauch sich entspannt, Krämpfe nachlassen und Blähungen sich lösen.

Frau liegt mit einer grauen Wärmeflasche mit weißen Streifen am Bauch auf der Couch.Greife bei Bauchschmerzen oder -krämpfen zur Wärmflasche, um die Symptome zu lindern.

Cola und Salzstangen hingegen sind keine gute Idee, wenn du unter Bauchschmerzen oder Durchfall leidest.

Wenn du unter dem Reizdarmsyndrom leidest, solltest du eine Ernährungsumstellung in Betracht ziehen. Zu den folgenden Ernährungsgewohnheiten wird bei RDS und den damit einhergehenden Beschwerden geraten:

  • Alkohol nur in geringen Mengen trinken
  • Auf Nikotin verzichten
  • Nicht mehr als drei Tassen Kaffee am Tag trinken
  • Keine Getränke mit Kohlensäure trinken
  • Viel stilles Wasser zu sich nehmen
  • Genügend Zeit zum Essen einplanen und das Essen ordentlich kauen

Daneben fällt in Verbindung mit bei Reizdarmsyndrom geeigneter Ernährung immer wieder das Wort FODMAP. Die Abkürzung steht für fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole. Diese werden von Darmbakterien vergoren, wobei sich vermehrt Gas bildet, was wiederum zu Blähungen führen kann. Eine FODMAP-arme Ernährung kann dabei helfen, vermehrte Gasbildung und die daraus resultierenden Schmerzen zu reduzieren.

Von dem Verzicht auf die folgenden als triggernd geltenden Lebensmitteln kannst du bei Reizdarm-Beschwerden also womöglich profitieren:

  • Getreide
  • Knoblauch
  • Zwiebeln
  • Frühlingszwiebeln
  • Bohnen
  • Linsen
  • Kichererbsen
  • Zucchini
  • Äpfel
  • Birnen
  • Pflaumen
  • Pfirsiche

Die Behandlung eines Reizdarm richtet sich nicht nur nach der Ursache, sondern vermehrt auch nach den einzelnen Symptomen. Je nachdem, ob dein Körper also mit Verstopfung, Durchfällen oder Bauchschmerzen und Blähungen reagiert, gibt es bei der Ernährung verschiedene Ansätze.

Ist eines deiner Hauptsymptome Verstopfung, solltest du vermehrt Ballaststoffe zu dir nehmen. Der Verzehr von ballaststoffhaltigen Lebensmitteln wie beispielsweise Flohsamenschalen kann eine positive Beeinflussung deines Stuhlverhaltens mit sich bringen, was wiederum zu einer Linderung deiner Beschwerden führen kann. Ballaststoffe können jedoch mitunter verantwortlich für Blähungen sein, weshalb sie keinesfalls als Allheilmittel anzusehen sind.

Dunkle Schale mit Flohsamen und einer hölzernen Schaufel.Flohsamenschalen enthalten viele Ballaststoffe und können sich positiv auf dein Stuhlverhalten auswirken.

Ist hingegen Durchfall eines der Symptome, mit denen du am stärksten zu kämpfen hast, geht es darum, deinen Stuhl weniger häufig und weniger flüssig zu machen. Auch hierbei können Ballaststoffe behilflich sein. Doch auch Probiotika können eine Hilfe dabei sein, eine durcheinander geratenes bakterielles Mikrobiom zu normalisieren und Beschwerden wie Durchfälle zu lindern. Sie werden auch bei Blähungen eingesetzt. Probiotika sind nicht nur in Lebensmitteln wie Joghurt, Sauerkraut und Roter Bete enthalten, sondern inzwischen auch als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich.

Auch eine Bewegungstherapie kann dabei helfen, die Symptome des Reizdarmsyndroms zu lindern. Sie wird insbesondere dann empfohlen, wenn eines der Hauptsymptome Verstopfung ist, denn Bewegung regt die Darmtätigkeit an.

Daneben kommen verschiedene Entspannungstechniken bei der Reizdarm-Behandlung zum Einsatz, darunter:

Inzwischen gibt es für Betroffene mit RDS deutschlandweit eine große Anzahl von Selbsthilfegruppen, in denen du dich mit anderen Leidensgenossen austauschen kannst. Eine ärztliche oder psychotherapeutisch begleitete Therapie können Selbsthilfegruppen allerdings nicht ersetzen. Sie dienen lediglich zum Erfahrungsaustausch und zur begleitenden Unterstützung.

Welche Medikamente kann man gegen Reizdarm nehmen?

Nicht immer sind Hausmittel, Ernährungsumstellung oder Entspannungstechniken der einzige oder beste Weg, um Symptome des Reizdarmsyndroms zu lindern und den Weg in ein unbeschwertes Leben zu ebnen. Wir geben dir hier einen Überblick, welche Wirkstoffe es in verschiedenen Medikamenten gibt, welche pflanzlichen Präparate sich bei RDS eignen können und welche Nebenwirkungen bei den Medikamenten vorkommen können. Die genaue medikamentöse Behandlung solltest du mit deinem Arzt abstimmen.

Das Reizdarmsyndrom ist ein komplexes Krankheitsbild mit vielen unterschiedlichen Symptomen. Zur Therapie dieser Symptome bieten sich verschiedene verschreibungsfrei erhältliche Wirkstoffe an:

  • Spasmolytika: bei Spasmolytika handelt es sich um krampflösende Mittel wie beispielsweise Buthylscopolamin
  • Laxativa: darunter fallen osmotische Abführmittel, die bei Verstopfung eingesetzt werden wie z. B. Bisacodyl und Natriumpicosulfat
  • Mittel gegen Durchfall: wie z. B. Loperamid und Racecadotril
  • Ätherische Öle: Auch eine Behandlung mit Pfefferminzöl kann beruhigend auf den Darm wirken. Das L-Menthol, einer der Wirkstoffe der Pfefferminze, kann den Calcium-Einstrom in die Muskelzellen zu blockieren. Der Stoff hat einen entkrampfenden Effekt, der sich auch auf eine verkrampfte Muskulatur auswirkt und diese entspannt. Blähungen, die infolge des RDS auftreten, können durch Pfefferminzöl (z. B. in Buscomint® bei Reizdarm) gelindert werden.

Auch verschreibungspflichtige Arzneimittel haben ihren Platz in der Therapie des Reizdarms:

  • Einige Antibiotika wie zum Beispiel Rifaximin
  • Antidepressiva wie zum Beispiel Citalopram
  • Verschreibungspflichtige Laxativa (abführende Mittel) wie zum Beispiel Prucaloprid

Neuere Erkenntnisse aus der Forschung haben gezeigt, dass psychische Faktoren wie beispielsweise Stress die Erkrankung beeinflussen können. Außerdem neigen Menschen mit funktionalen Störungen des Verdauungstraktes zu Ängsten und Depressionen. Eine Psychotherapie kann Abhilfe schaffen, indem sie positiv auf bestimmte psychische Faktoren wirkt und beispielsweise dabei hilft, negative Denkmuster loszuwerden.

Gemeinsam mit einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie einem speziell ausgebildeten Psychologen (psychotherapeutischer Psychotherapeut) kannst du abstimmen, ob sich eine kognitive Verhaltenstherapie, eine Biofeedback-Therapie, eine psychodynamische Therapie oder eine bauchbezogene Hypnotherapie am besten für dich eignet.

Reizdarm therapieren und behandeln

Ursachen und Symptome des Reizdarmsyndroms sind vielfältig und somit auch deren mögliche Therapieform. In diesem Artikel hast du einige Expertentipps erhalten, die du relativ einfach zu Hause ausprobieren kannst. Eine Ernährungsumstellung in Kombination mit einem Ernährungstagebuch kann zum Beispiel ein erster Schritt sein.

Aber nicht immer sind Hausmittel erfolgversprechend. Um den Leidensdruck zu verringern, hast du in Absprache mit deinem Arzt oder Apotheker die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung. Darüber hinaus wird in der heutigen Zeit, zur Behandlung von Reizdarmsyndrom auch eine Psychotherapie herangezogen, da der Magen-Darm-Trakt über die Darm-Hirn-Achse in enger Verbindung mit dem Gehirn steht und sich wechselseitig beeinflussen kann.


Medizinisch geprüft durch
Dr. rer. nat. Dinah Murad
Dr. Dinah Murad fungiert als unabhängige medizinische Beraterin an der Schnittstelle von Wissenschaft und Marketing. Darmgesundheit ist für sie ein unterschätztes, aber überaus wichtiges Thema. Sie verantwortet die medizinische Prüfung aller Inhalte für unsere Leser.
Geschrieben von
Digestio Community Team 
Unser Digestio Community Team ist ein Netzwerk aus medizinischen RedakteurInnen, die unsere Inhalte durch wissenschaftlich fundierte Recherche sowie eigenen Erfahrungsberichten unterstützen.

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