Birkenzucker bei Fruktoseintoleranz, Eine Schüssel voll Birkenzucker

Birkenzucker bei Fruktoseintoleranz: Sinnvoll oder nicht?

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Birkenzucker, auch Xylit oder Xylitol genannt, ist fast genauso süß wie Zucker, enthält aber viel weniger Kalorien. Weil Birkenzucker außerdem fruktosefrei ist, könnte man meinen, dass er sich auch bei Fruktoseintoleranz und -unverträglichkeit als Ersatzzucker eignet. Doch da ist Vorsicht geboten.

Was ist Birkenzucker?

Birkenzucker wird auch Xylitol oder Xylit und fachsprachlich Pentanpentol genannt. Er gehört zu den Zuckeralkoholen und wird als Lebensmittelzusatzstoff (E967) sowie als Zuckeraustauschstoff verwendet. Letzteres mit gutem Grund: Xylit besitzt nahezu die gleiche Süßkraft wie Haushaltszucker, hat aber nur etwa 40 Prozent der Kalorien:

  • Zucker: ca. 400 Kilokalorien pro 100 Gramm
  • Xylitol: ca. 250 Kilokalorien pro 100 Gramm

Der Name Birkenzucker rührt daher, dass Xylit ursprünglich durch mehrere chemische Schritte aus der Rinde von Birken hergestellt wurde. Heute dienen dagegen Holz- und andere Pflanzenabfälle als Ausgangsstoff. Xylit kommt jedoch auch natürlich in Obst und Gemüse vor, allerdings in sehr geringen Mengen.

Birkenzucker bei Fruktoseintoleranz, Kaugummi mit XylitBirkenzucker (Xylit) ist ein beliebter Inhaltsstoff von Kaugummis, weil er Süßkraft und Kariesschutz vereint.

Weil Xylitol laut Studien vor Karies schützt und den Blutzuckerspiegel nicht ansteigen lässt, findet man es in zuckerfreien Kaugummis, Zahnpasta und anderen Zahnpflegeprodukten sowie in diabetikerfreundlichen Lebensmitteln und kalorienreduzierten Produkten.

In zuckerfreien Kaugummis wird häufiger ein anderer Zuckeralkohol verwendet und zwar Sorbitol. Es ist günstiger in der Herstellung und kann leichter verarbeitet werden.

Wie gesund ist Birkenzucker?

Xylit hat einige Vorteile im Vergleich zu normalem Zucker. Birkenzucker

  • wirkt antikariogen. Dazu am besten nach dem Essen zehn bis 20 Minuten lang einen xylithaltigen Kaugummi kauen.
  • vermindert Plaquebildung und die Entstehung von schädlichen Säuren auf den Zähnen.
  • schmeckt wie Zucker und sieht auch so aus, enthält aber weniger Kalorien.
  • zählt als Zuckeralkohol zwar zu den Kohlenhydraten, hat aber einen sehr niedrigen glykämischen Index und lässt den Blutzuckerspiegel nicht ansteigen, da er weitgehend unabhängig von Insulin abgebaut wird.
  • wirkt nicht nur gegen Kariesbakterien, sondern auch gegen Bakterien, die bei Kindern häufig Mittelohrentzündungen hervorrufen.
  • ist ein löslicher Ballaststoff, der deinen guten Darmbakterien als Nahrung dient und eine gesunde Darmflora unterstützt.
  • könnte Pilzinfektionen vorbeugen, weil er die Anhaftung des Hefepilzes Candida albicans behindert.

Studien an Ratten deuten sogar darauf hin, dass Xylitol zu vermehrter Collagenbildung führt und somit womöglich einen positiven Effekt auf die Hautalterung hat. Außerdem wurde in Versuchen an Ratten festgestellt, dass Birkenzucker vor Osteoporose schützen könnte.

Zuckeralkohole wie Xylit sind nicht gleichbedeutend mit Alkohol und somit auch für alkoholkranke Menschen unbedenklich.

Xylit hat auch Nachteile

  • Birkenzucker liefert nur „leere Kalorien“, da er keine Vitamine oder Mineralstoffe enthält.
  • Im Vergleich zu anderen Süßungsmitteln ist Xylit sehr teuer.
  • Birkenzucker ist im Gegensatz zu naturbelassenen Zuckeralternativen wie Honig, Agavendicksaft oder Vollrohrzucker stark verarbeitet.
  • In größeren Mengen (ab 40 bis 50 Gramm) kann Xylitol abführend wirken, Durchfall, Darmgase und Blähungen verursachen. Alle Lebensmittel, die Birkenzucker enthalten, müssen daher einen entsprechenden Warnhinweis tragen.
  • Es kann zu Unverträglichkeiten kommen, die denen einer Fruktosemalabsorption ähneln. Kinder unter drei Jahren sollten Xylit nicht konsumieren.
  • Extrem hohe Dosen über einen langen Zeitraum stehen im Verdacht, Tumoren zu verursachen.
  • Xylitol enthält zwar keine Fruktose und kann bei Fruktoseintoleranz, nicht jedoch bei Fruktoseunverträglichkeit als Ersatzzucker empfohlen werden.
  • Eine weitere Besonderheit: Xylit entzieht dem Mund Wärme, wenn er sich im Speichel auflöst. Das hinterlässt einen besonderen Kühleffekt, der dem von Menthol ähnelt. Diesen Effekt macht man sich in „Eisbonbons“ zunutze. Verwendet man ihn als normales Süßungsmittel, ist dieser Effekt irritierend.

Ist Birkenzucker fruktosefrei?

Birkenzucker ist fruktosefrei und eignet sich daher gut als Ersatzzucker bei der sogenannten hereditären Fruktoseintoleranz (HFI). Eine solche Intoleranz kommt allerdings sehr selten vor und ist eine ernste Erkrankung, bei der die Leber aufgrund eines Enzymmangels Fruktose nicht abbauen kann, wodurch schwere Leber- und Nierenschäden drohen.

Die weitaus häufiger vorkommende intestinale Fruktoseunverträglichkeit oder Fruktosemalabsorption unterscheidet sich von der Intoleranz: Statt eines Enzymmangels ist ein gestörter Transport von Fruktose schuld an Beschwerden. Weil Xylit diesen Mechanismus zusätzlich behindern kann, wird Birkenzucker bei einer streng fruktosearmen Kost nicht empfohlen.

Tipp: In Rücksprache mit deinem behandelnden Arzt kannst du geringe Mengen Birkenzucker ausprobieren und beobachten, ob Symptome auftreten.

Eine Lebensmittelintoleranz oder -unverträglichkeit ist übrigens nicht mit einer Lebensmittelallergie zu verwechseln. Zwar können sich die Symptome unter Umständen ähneln – wenn es etwa zu Bauchkrämpfen oder Durchfall kommt –, jedoch wird eine Allergie im Gegensatz zur Intoleranz über das Immunsystem vermittelt.

Geeignete Zuckeralternativen bei Fruktoseunverträglichkeit sind:

  • Glukose (Traubenzucker)
  • Laktose (Milchzucker)
  • Maltose (Malzzucker)
  • Süßstoff mit Aspartam, Cyclamat oder Saccharin
  • Stevia
  • Erythrol
Birkenzucker bei Fruktoseintoleranz, Stevia-PflanzeStevia zählt zu den gesünderen Süßungsmitteln und kann auch bei Fruktoseunverträglichkeit genutzt werden.

Wenn du Xylit gut verträgst, kannst du es bedenkenlos als Ersatzzucker verwenden. Weil er in Süßkraft, Aussehen und mit seiner pulvrigen Form Haushaltszucker so stark ähnelt, eignet sich Birkenzucker auch gut zum kalorienreduzierten Kochen und Backen – zumal Xylitol keinen Beigeschmack besitzt wie manch andere Zuckeralternative.

Birkenzucker bei Fruktoseintoleranz: Sinnvoll oder nicht?

Birkenzucker, auch Xylit oder Xylitol genannt, schmeckt süß, enthält weniger Kalorien als Zucker und hat einige gesundheitliche Vorteile gegenüber anderen Süßungsmitteln. So schützt Xylit vor Karies und lässt den Blutzuckerspiegel nicht ansteigen. Außerdem ist Birkenzucker fruktosefrei und gilt daher als guter Ersatzzucker bei der – sehr seltenen – hereditären Fruktoseintoleranz.

Bei der weitaus häufigeren Fruktosemalabsorption (auch als Unverträglichkeit bezeichnet) ist das leider nicht der Fall. In großen Mengen sollte man Birkenzucker nicht verzehren, da er abführend wirkt und zu Durchfall führen kann.

Du hast regelmäßig Durchfall nach dem Essen bestimmter Lebensmittel? Dann lies dir gerne unsere Artikel zur Unverträglichkeit von Paprika, Zwiebel oder Spinat durch.


Medizinisch geprüft durch
Dr. rer. nat. Dinah Murad
Dr. Dinah Murad fungiert als unabhängige medizinische Beraterin an der Schnittstelle von Wissenschaft und Marketing. Darmgesundheit ist für sie ein unterschätztes, aber überaus wichtiges Thema. Sie verantwortet die medizinische Prüfung aller Inhalte für unsere Leser.
Geschrieben von
Silke Stadler 
Silke Stadler war stellvertretende Redaktionsleiterin bei verschiedenen Gesundheitsportalen und ist ausgebildete Ernährungsberaterin. Heute ist sie als Online-Redakteurin für den Klinikkonzern MEDICLIN tätig und gehört von Beginn an zum festen Autorenteam von Digestio. 

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